Wärmenetzanschluss

Vollständige Erfüllung
Relevante Paragraphen:
Anerkennung:§ 10.2
Definition Wärmenetz:§ 3 Nr. 5
Kombinationen:§ 11.1, 11.2 Satz 1
 
Nachweiserbringung nach § 20:
Vorlage für untere Baurechtsbehörde

Wärmenetzanschluss im EWärmeG

Der Anschluss an ein Nah- oder Fern­wär­me­netz sowie jede andere Ein­rich­tung zur leitungs­gebun­denen Wärme­ver­sorgung von mehreren Ge­bäu­den (bspw. ein nicht-öffentliches Wärme­netz) kann das Erneuerbare-Wärme-Gesetz als Ersatz­maßnahme erfüllen. Dafür muss das Wärme­netz mit 50 % Kraft-Wärme-Kopplung, die gemäß der EU-Richtlinie 2012/27/EU hoch­effi­zient ist, mit 15 % Er­neu­er­baren Energien oder mit 50 % Abwärme betrie­ben werden. Die Wärme­pro­duk­tion für das Wärme­netz kann auch aus einer Kom­bi­na­tion der genan­nten Möglich­keiten erfolgen.

Der Wärmenetzbetreiber muss dem an­ge­schlos­senen Kunden mit einem Nach­weis be­stä­tigen, dass die An­for­de­rungen erfüllt sind.

Kombination mit anderen Erfüllungsoptionen

Falls das Wärmenetz, dessen ver­teil­te Wärme die An­for­de­rung­en nur teil­weise er­füllt und/oder nur einen An­teil des jähr­lich­en Wärme­energie­bedarfs des Gebäudes deckt, ist die Kombi­na­tion mit anderen Erfül­lungs­optionen mög­lich. Es bieten sich hier­bei Maß­nah­men an, die unab­hängig von der Erzeu­ger­ein­heit durch­führ­bar sind. Je nach Erfül­lungs­grad ist in erster Linie der Sa­nier­ungs­fahr­plan (5 %) und die Keller-, Außenwand- und Dach­däm­mung zu nennen. Auch eine ge­samt­heit­liche Däm­mung kann be­zo­gen auf das EWärmeG aus BW in­ter­essant sein.

Gängige Kombinationen: Sanierungsfahrplan, Kellerdecken-, Außenwand-, Dachdämmung

Stand der Technik – Funktionsweise eines Wärmenetzes

Wärmenetze dienen der leitungs­gebundenen Wärme­lieferung zur Ver­sorgung von Gebäuden mit Heizung, Warmwasser oder Prozess­wärme. Der Transport erfolgt durch ein wärmegedämmtes Rohrsystem. Die thermische Energie wird dabei durch das Medium Wasser oder Dampf vom Wärme­erzeuger zum Verbraucher geführt. Die Wärme für das Wärme­netz kann auf unter­schied­liche Art erzeugt werden. So kann die ausgekoppelte Wärme aus Produktions­prozessen wie der Stahl­herstellung genutzt werden.

Wärmekraftwerk mit Wohnhäusern im Vordergrund
Weitere Wärme­quellen sind Müll­heiz­kraft­werke oder Erdgas-KWK-Anlagen. Bei dem Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung ermöglicht das Wärmenetz die Nutzung der Abwärme, die bei der Strom­erzeugung sonst häufig ungenutzt bleibt. Neben der Energie­gewinnung aus Gas, Kohle oder Öl steigt der Anteil Erneuer­barer Energien für den Betrieb von Wärme­netzen stetig. So wird bspw. immer häufiger die im Blockheizkraftwerk einer Bio­gasanlage erzeugte Wärme zur Versorgung eines Nah­wärme­netzes genutzt.

Über ein Verteilnetz wird das heiße Medium zu den Verbrauchern transportiert. Der Anschluss der Gebäude an das Wärme­netz geschieht in der Haus­anschluss­station und kann direkt oder indirekt erfolgen. Bei einem direkten Anschluss wird das Wasser des Wärme­netzes direkt in die Haus­anlage, sprich in das Heiz­system des Gebäudes geleitet. In der Haus­anschluss­station werden zuvor der Druck, der Volumen­strom und die Tem­pe­ra­tur an die erforder­lichen Parameter des Gebäudes angepasst. Bei dem indirekten Anschluss wird die Hausanlage durch einen Wärme­tauscher hydraulisch vom Wärme­netz getrennt. Die Wärme wird in dem Wärme­tauscher an das Heizungs­wasser des Gebäudes übertragen und dann mithilfe einer Umwälzpumpe durch die Haus­anlage befördert.

Hinweis: Die Erschließung von Stadt­teilen oder ganzen Städten durch ein Wärme­netz definiert in der Regel die Fernwärme. Hingegen bezieht sich Nahwärme auf die örtliche Erschließung oder Verbindung von einzelnen Gebäuden oder Wohn­siedlungen mit einem Wärme­netz bzw. einer zentralen Wärme­erzeugung. Häufig wird für alle Wärmenetze der Oberbegriff Fernwärme verwendet.

Aufgrund der höheren Risiken im Falle eines Rohr­bruchs in der Hausanlage, wird der indirekte Anschluss mit einem Wärme­tauscher i. d. R. vom Fernwärmeversorger bevorzugt. Für kleinere Nah­wärme­netze setzen Fern­wärme­versorger häufig auf die direkte Fahr­weise. Bei beiden An­schluss­varian­ten befindet sich ein Wärme­mengen­zähler in der Haus­anschluss­station. Dieser erfasst die vom Gebäude abgenommene Wärme, die dem Kunden dann als so­ge­nannter „Arbeitspreis“ in Rechnung gestellt wird.

Anschluss an ein Nah-/Fernwärmenetz

Bevor man einen Wärme­netz­anschluss für das eigene Gebäude in Erwägung zieht, sollte man vorher recherchieren, ob ein Wärme­netz in der ent­sprechenden Region vorhanden ist. Ist dies der Fall, kann ein Vertrag mit dem Nah-/Fern­wärme­versorger abge­schlossen werden. Dieser Vertrag ist nach gesetzlichen Rahmen­bedingungen festgelegt und sollte allgemeine Vertrags­daten, eine verständ­liche Erläuterung der Vertrags­inhalte und wesentliche Bedingungen beinhalten.

Hinweis: Je nach Region und Versorger, unterliegen die Kosten für Nah-/Fernwärme starken Schwan­kungen. In der Regel entstehen dem Kunden Kosten für die Erstellung des Haus­anschlusses und für die Haus­anschluss­station. Einige Hersteller verlangen einen zusätz­lichen Zuschuss für den Ausbau des Netzes. Für die Bereit­stellung der Energie, welche auf die Anschluss­leistung in Kilo­watt bezogen wird, muss ein Grundpreis gezahlt werden. Hinzu kommen ein Arbeitspreis pro Kilo­watt­stunde abge­nommener Wärme und ein Messpreis für die Ermittlung des Verbrauchs und der Abrechnung. Es sollte beim Preis­vergleich auf Preis­anpassungs­klauseln geachtet werden. Konkrete Informationen erhält man beim ausgewählten Nah-/Fernwärmeversorger.