Aktuell ist die Bundesrepublik Deutschland das einzige unter den Industrieländern, welches noch kein einheitliches Tempolimit auf seinen Autobahnen erlassen hat. Auf ganzen 70 % aller Autobahnabschnitten herrscht sogar überhaupt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Hier darf also nach Lust und Laune Gas gegeben werden. Und das, obwohl bereits belegt wurde, dass eine generelle Begrenzung der Geschwindigkeit positive Aspekte mit sich bringt. Welche das genau sind, verraten wir in diesem Blogbeitrag.

Hinweis: Mehr als die Hälfte aller Deutschen spricht sich mittlerweile dafür aus, auf den Autobahnen ein generelles Tempolimit einzuführen. Dies ist zumindest das Ergebnis aus einer Vielzahl an Umfragen zu dem Thema. Auf Regierungsebene wurde die Diskussion bereits ins Rollen gebracht: Im Fokus steht hierbei, ob der Output für den Klimaschutz durch eine Einführung von Tempolimits auf Autobahnen zu gering ist, um diese Maßnahme aus wirtschaftlicher Sicht zu rechtfertigen.

Mehr Klimaschutz dank Tempolimit

Besonders für den Klimaschutz hätte die generelle Geschwindigkeitsbegrenzung große Vorteile. Durch die Drosselung der Geschwindigkeit auf der Autobahn wird der Benzinverbrauch schließlich eklatant reduziert und somit eben auch der Ausstoß der Treibhausgase. Würde das vorgeschriebene Tempo auf 120 km/h gesenkt, würde dies eine Einsparung an CO2 pro Jahr um circa drei Millionen Tonnen bedeuten. Dies wird durch eine Rechnung des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg verdeutlicht:

CO2-Einsparpotenzial (gegenüber dem TREMOD-Trend (Transport Emission Model)/ Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg) durch Tempolimit 120 km/h:

Jahr 200520202030
CO2-Emissionen auf Autobahnen (Mio. t)33,635,6 32,4
CO2-Minderungspotenzial bei Tempolimit 120 (%)099
CO2-Emissionsminderung (Mio. t)0,03,22,9
Quelle: UBA/TREMOD 4.17, 2006; [UBA, 1999]

Eine Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger zu dem Thema Tempolimit könnte ebenfalls positive Effekte mit sich bringen: Schließlich hat man nicht nur den Vorteil, dass man durch langsameres fahren das Klima schützt, sondern auch noch Kraftstoff und damit Geld spart.

Mit einem generellen Tempolimit könnte auch das aktuell auf der ganzen Welt praktizierte Wettrüsten um eine immer höhere Höchstgeschwindigkeit beendet werden. Mittelfristig wäre so der Weg für geringeres Gewicht und damit einer besseren Effizienz von neuen Fahrzeugen geebnet.

Die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass Verbesserungen an Fahrzeugen alleine nicht ausreichen, um den Ausstoß von Treibhausgasen komplett zu minimieren. Aus diesem Grund müssen noch weitere Maßnahmen ergriffen werden. Das Umweltbundesamt hat deshalb einige Maßnahmenpakete entwickelt, die gemeinsam betrachtet, die Reduzierung der Emissionen stark verbessern würden:

  1. Verkehrsvermeidung: Hier ist die Verkehrs- und Stadtplanung in der Verantwortung, die durch eine durchdachte Streuung von Versorgungseinrichtungen den Verkehr in der Stadt reduzieren kann.
  2. Verkehrsverlagerung: Hierbei sollen stark emittierende Verkehrsmittel wie LKW und Flugzeuge durch andere Verkehrsmittel „ersetzt“ werden. Das heißt, der Ausbau von Radwegen sowie Bus und Bahn sollte stärker ausgearbeitet werden. Selbiges gilt für Autos – während in PKW schließlich nur eine stark limitierte Anzahl an Personen befördert werden kann, sollte versucht werden, mehr Menschen für die Nutzung des ÖPNV zu gewinnen.
  3. Verkehrsoptimierung: Hier sind wir beim Schlüsselbegriff dieses Artikels. Man kann schließlich nicht einfach das gesamte Verkehrssystem umschmeißen. Auch wichtig ist es, das bestehende zu optimieren. Eine solche Maßnahme wäre die Einführung des Tempolimits – es wird demnach kein Verkehrsmittel ausgeschlossen. Es werden nur Richtlinien beschlossen, die das Potential haben, die aktuelle Situation zu optimieren.
  4. Emissionsminderung: Hier wird der Aspekt der technischen Aufrüstung aufgenommen. Durch immer bessere Technologien, die die Minderung der CO2-Werte in den Fokus legen, können ebenfalls viele positive Effekte erzielt werden.

Es wird deutlich: Eine Maßnahme alleine reicht nicht aus – wir müssen die Mobilität in Deutschland grundlegend hinterfragen und an einigen Schnellschrauben drehen, um eine Optimierung zu erzielen. Sicherlich ist dies nicht ganz einfach, aber unmöglich ist es doch wohl auch nicht, oder? Die Maßnahmenpakete zeigen, dass an verschiedensten Ecken gestartet werden kann.

Warum gibt es noch kein Tempolimit?

Wenn Tempolimits doch so positive Effekte haben, wieso wurden sie dann in Deutschland noch nicht eingeführt? Auch hierbei handelt es sich um ein Tempo, bei dem man auf das Tragen von Scheuklappen verzichten sollte. Ein Blick nach rechts und links zeigt, dass es auch Gegner des Tempolimits gibt. So geht die Diskussion bspw. darum, dass der Nutzen für den Klimaschutz nur sehr gering sei. Wie sich das Thema entwickeln wird, bleibt deshalb abzuwarten.

Fazit:

Generell wird deutlich, dass, wenn wir in Sachen Klimaschutz Gas geben möchten, wir auf unseren Straßen bremsen müssen. Ein Glück, dass dieses Oxymoron nur sprachlich einen Gegensatz beinhaltet und inhaltlich tatsächlich umsetzbar ist. Übrigens haben Tempolimits auch noch weitere Vorteile: Viele Staus entstehen nämlich durch starke Tempounterschiede auf der Fahrbahn. Wären diese ausgemerzt, wäre das Pendeln zur Arbeit doch so viel entspannter – aber halt Stopp: Wieso dann noch die Bahn nutzen? Man sieht: Das Ganze ist gar nicht mal so einfach!