Was ist die Tank-Teller-Diskussion?

Flächen­konkurrenz, Nahrungs­mittel­preis­krise, Tortilla-Krise: viele Namen, viele Krisen – die Grund­überlegung hinter allen ist allerdings auf einen Nenner zurück­zuführen: Verdrängen Energie­pflanzen unsere Lebens­grund­lage der Nahrungs­mittel? Ausgelöst wurde die Diskussion unter anderem durch die stark erhöhten Lebens­mittel­preise in den Jahren 2007 und 2008. Vor allem in Mexiko stiegen die Preise für Mais so drastisch an, dass von einer Tortilla-Krise die Rede war. Schließlich bildet die Pflanze die Grundlage dieser kulinarischen Spezialität. Es wurde gemutmaßt, dass viele Pflanzen, wie bspw. Mais, nicht mehr als Nahrungsmittel angebaut, sondern zur Energie­gewinnung genutzt werden. Dieses habe im Nachgang einen starken Einfluss auf die Preise der Pflanzen, da nur noch weniger Mais zum Verzehr angebaut und vertrieben wird. Die essentielle Frage der Diskussion ist damit: Sollten Pflanzen, die als Nahrungs­mittel dienen, wirklich zur Energie­gewinnung genutzt werden?

Energiepflanzen der zweiten Generation - die Lösung?

Auch wenn sich bei der eben genannten Grund­idee der Tank-Teller-Diskussion bereits die Geister scheiden, so ist die Befürchtung aus ethischer Sicht zunächst einmal nach­voll­zieh­bar. In vielen Ländern herrscht Nahrungs­mittel­knapp­heit. Da verbreitet sich bei vielen der Gedanke, der Westen "verpulvere" geradezu seinen Mais in Biogasanlagen oder mische ihn in den Treibstoff für Fahrzeuge. Wie kann damit die Erzeugung von Bio­kraft­stoffen mit der Produktion von Nahrungs­mitteln vereinbart werden? Ein Lösungs­ansatz war schnell gefunden. Als Energie­pflanzen eignen sich schließlich nicht nur Lebens­mittel­pflanzen: Die zweite Generation der Energiepflanzen war geboren. Zur Ethanol­gewinnung für Treibstoff kann bspw. Stroh als Restprodukt der Land­wirt­schaft genutzt werden. Auch zur Gewinnung von Biogas gibt es viele Alternativen zur so populär genutzten Maispflanze. Dieses ist dahin­gehend wichtig, als dass bei der Erzeugung von Biogas oft von einem Problem der Entstehung einer Mais­monokultur die Rede ist. Dies ist aber so nicht ganz richtig: Substratvielfalt und Biogas sind sehr wohl kompatibel und vor allem wünschenswert. Doch damit ist die Diskussion noch lange nicht beendet. Schließlich herrscht so ja noch das Problem der Flächenkonkurrenz. Die land­wirtschaft­lichen Acker­flächen, die sonst zur Produktion von Nahrung genutzt werden, fallen nun dem Anbau von Energie­pflanzen zum Opfer – dabei ist es redundant, ob es sich um Pflanzen der ersten oder der zweiten Generation handelt.

Aber was ist eigentlich dran an der Problematik?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die heutige Welt­bevölkerung unter einem nur schwer ent­gegen­zu­wirkendem Energie­hunger leidet. Fährt man in Deutschland durch ländliches Gebiet, so zeichnet sich klar ein Überhang des Maisanbaus ab, der wohl auch vermehrt für die Erzeugung von Energie genutzt wird. Auch in anderen Ländern, wie bspw. Borneo werden enorme Flächen an Regen­wald gerodet, um für Energie­pflanzen ausgetauscht zu werden. Dennoch gibt es immer zwei Seiten der Medaille und die zweite Seite unserer Medaille ist ebenfalls vielseitig: Der ansteigende Gebrauch von bio­logischen Produkten zur Energiegewinnung ist alleine noch lange nicht Träger der steigenden Nahrungs­mittel­preise. Auch die erhöhten Erdölpreise wirken sich auf die Kosten für Nahrungsmittel aus und sind ein direkter Treiber der Preiserhöhung. Zudem sorgen sie für erhöhte Düngerpreise, die sich in der Kosten­kalkulation für das Endprodukt bemerkbar machen. Darüber hinaus wirken sich auch Veränderungen der Natur und des Klimas auf die Produktion von Nahrungsmitteln aus. Durch die Klima­veränderung wird der Anbau erschwert und die Preise steigen an. Ausbleibende Ernte­erfolge aufgrund von starken Dürre­perioden sind hier ein Beispiel. Als weiteren Grund kann man auch das weltweite Bevölkerungswachstum sehen. Mehr Menschen brauchen mehr Nahrung – die Nachfrage steigt und demnach auch die Preise. Es wird also deutlich, dass ein voller und zugleich klima­freundlicher Tank nicht ausschlag­gebend für einen leeren Teller ist. Dennoch sollte weiterhin darauf geachtet werden, dass die Produktion von Energiepflanzen nicht überhand nimmt, weil sie sich für die Landwirte stärker rentiert. Richtlinien für den Anbau von Energiepflanzen, sowie Koppel- und Kaskadennutzung sind hier mögliche Ansatz­punkte, um volle Tanks und volle Teller gleicher­maßen zu erreichen. Schließlich sollten wir über diese Diskussion hinweg eines nicht vergessen: Wenn wir unser Klima schützen wollen, dann müssen wir Alternativen zu fossilen Energie­trägern finden und hierfür vielleicht auch den ein oder anderen Kompromiss eingehen!

Hinweis: Wenn bei einem Endprodukt auch Nebenprodukte verwendet werden können, so spricht man von einer Koppelnutzung. Ein Beispiel hierfür ist die Nutzung von Getreide­stroh als Rest­produkt der Getreide­ernte. Unter Kaskadennutzung versteht man dagegen eine Mehr­fach­nutzung von Rohstoffen über mehrere Ebenen. Holz kann bspw. zunächst als Industrie­rohstoff genutzt werden, um anschließend zur Energie­gewinnung eingesetzt zu werden. Das Prinzip des Recyclings baut somit auf einer Kaskaden­nutzung auf.