Der Energiemarkt: Viele Energieversorger melden Insolvenz an

Ach, war es damals einfach, als es nur eine Grund­ver­sor­gung gab und man sich nicht um seine Energie­ver­sor­gung kümmern musste. Inzwischen gibt es Anbieter für Strom und Gas wie Sand am Meer. Völlig ver­ständ­lich ist, dass Kunden auf­grund mangelnder Zeit oft Preis­vergleichs­portale zu Rate ziehen und sich für einen der günst­igsten Anbieter ent­schieden. Völlig ver­ständ­lich, aber doch nicht unbe­dingt ratsam! Die aktuelle Markt­situation zeigt näm­lich: Viele Anbieter können sich nicht am Markt halten und gehen, auf gut Deutsch gesagt, pleite. Das Resultat: Ihre Kunden stehen mit riesigen Frage­zeichen auf der Stirn geschrieben dar – Was mache ich denn jetzt, wo mein Energie­versorger Bankrott ist?

Wie kommt es zu einer Überschuldung des Energieversorgers?

Wie bereits gesagt: Energie­versorger gibt es in Hülle und Fülle und wie es nach dem Prinzip von Angebot und Nach­frage so läuft, entsteht ein un­heim­licher Preis­druck. Ist man nicht der Günstigste, so ist man für den Großteil der poten­tiellen Kunden unsicht­bar. Aus diesem Grund ent­wickeln die Ver­sorger immer neue Lock­strategien, wie sie auf den Ver­gleichs­portalen die Nummer 1 werden. Durch Bonus­zahlungen, Tarife mit Vor­kasse oder Sonder­angebote ködern Sie die Kunden. Durch besonders lange Vertrags­lauf­zeiten versuchen Sie die Kunden dann zu binden. Diese erwartet dann zumeist irgend­wann eine böse Überraschung: Die Bonus­zahlung wird nicht ge­leistet oder eine ver­steckte Preis­anpassung nach dem ersten Jahr führt zu über­teuerten Tarifen.

Ein ein­faches Beispiel soll zeigen, dass Bonus­modelle ein reines Poker­spiel der Energie­versorger sind.

Die Situation: Der Energie­versorger verspricht eine Bonuszahlung im ersten Jahr von 300 Euro – Im Vergleich zu anderen Anbietern scheint der Versorger das beste Pferd im Stall zu sein. Nach dem ersten Jahr erzielt der Versorger dann pro Kunde eine Marge von 150 Euro. Der Ver­trag läuft über zwei Jahre. Und nun beginnt die Wette des Versorgers. Er geht davon aus, dass die Mehr­heit der Kunden nach Vertrags­ende bleibt. Ist die [Wechselquote](/blog/gasanbieterwechsel) nach Jahr 2 jedoch hoch, hat der Versorger 150 Euro Miese pro Kunde gemacht. Um beim Poker zu bleiben: Entweder die Kunden bleiben haupt­sächlich und der Ver­sorger punktet mit einem Royal Flush oder das Sechser-Paar auf seiner Hand führt ihn direkt in den Konkurs.

Als weiterer Grund für die Zahlungs­unfähig­keit werden häufig die steigende Energie­preise genannt. Dies gilt vor allem für Energie­versorger, die kurz­fristig ihre Energie be­schaffen, aber ihren Kunden lang­fristig Preis­sicher­heit gewähren. Hierbei setzen sich diese Unter­nehmen einem kauf­männischen Risiko aus. Speziell im Jahr 2018 ist diese Strategie einigen Anbietern zum Ver­hängnis geworden, da die Beschaffungs­preise rapide gestiegen sind und die Energie somit günstig verkauft und teuer einge­kauft werden musste.

Solchen Probleme kann man aus unserer Sicht vor­beugen, wenn man die tat­sächlichen Kosten an den Kunden weitergibt. Mal zu Gunsten, mal zu Ungunsten des Kunden – aber immer fair, transparent und sicher!

Mein Versorger ist insolvent – und jetzt?

Gerät Ihr Energie­versorger in die Zahlungs­unfähig­keit und meldet in Folge dessen Insolvenz an, kann es auf zwei Arten für Sie weiter­gehen. Entweder der Versorger setzt die Belieferung weiter fort oder er stoppt diese.

Fall 1: Energieversorgung trotz Insolvenz

Nur weil Ihr Ver­sorger über­schuldet ist, muss er nicht gleich sein gesamtes Tages­geschäft an den Nagel hängen. Das In­sol­venz­ver­fahren ist schließ­lich lang­wierig und während­dessen kann Ihr Ver­sorger Sie ohne weiteres mit Energie beliefern. Läuft die Ver­sorgung weiter, bleiben auch die Ver­träge bestehen und mit Ihnen auch die ent­sprechenden Kündigungs­fristen. Eine Insol­venz ist in der Regel kein Grund für ein Sonder­kündigungs­recht. Sie sollten sich dennoch über Ihre Kündigungs­fristen informieren und sich evtl. auch nach einem neuen Ver­sorger umsehen, um weiterem Stress aus dem Weg zu gehen. Außer­dem raten wir, den Zähler­stand regel­mäßig zu doku­men­tieren.

Fall 2: Versorger stellt die Belieferung ein

Keine Sorge: Werden Sie auf­grund der Insol­venz nicht mehr mit Energie be­liefert, stehen Sie nicht ohne Strom und Gas dar. Sie fallen dann auto­matisch in die Grundversorgung des ört­lichen Anbieters. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie Ihren Ver­trag mit dem insol­venten Energie­versorger trotz­dem kündigen. Außer­dem sollten Sie bei einem Belieferungs­stop umgehend die Zahlungen ein­stellen und den Zähler­stand dokumen­tieren und Ihrem ört­lichen Netz­be­treiber melden.

Bekomme ich meine Rückzahlungen wieder?

Hat Ihr Ver­sorger erst einmal Insol­venz ange­meldet, wird es um einiges schwieriger mit den Rück­zahlungen. Forder­ungen müssen gemeldet werden. Diese werden dann in einer Art Liste dokumentiert. Am Ende des Insol­venz­ver­fahrens, welches sehr lange dauern kann, bekommen die Forderungs­steller in der Regel eine soge­nannte „Quote“ ausge­zahlt, welche zumeist recht gering aus­fällt. Generell gilt: Holen Sie sich recht­lichen Bei­stand, wenn Sie nicht mehr weiter wissen oder mit Forderungen oder Schreiben Ihres Ver­sorgers über­fordert sind.

Die beste Präventionsstrategie

Sie sollten den Ver­trag mit einem Energie­ver­sorger nie­mals un­über­legt und vor­schnell ein­gehen. Erkundigen Sie sich gut und informieren Sie sich über die Preis­modelle. Auch kann ein Blick in die AGBs nicht schaden. Hier findet man oft erste Preisfallen. Es gilt: Seien Sie vor­sich­tig, wenn der Anbieter mit Vor­kasse und Bonus­zahlungen wirbt. Auch sogenannte kWh-Pakete sollten Sie genauer hin­schauen lassen. Am besten, Sie suchen sich von vorn­herein einen An­bieter mit trans­parenter Preis­struktur ohne irgendwelche Vergünstigungen – auch, wenn es dann auf den ersten Blick viel­leicht nicht das bil­ligste Ange­bot ist.

Über Klimakönner: Die Klimakönner GmbH legt viel Wert auf eine über­sicht­liche Tarif­gestaltung. Deshalb haben wir auch nur einen 10 % Biogastarif. Auch finden Sie bei uns keine Bonus­zahlungen und auch keine Sonder­angebote. Wir richten unseren Preis immer am Markt aus. Damit sind wir viel­leicht nie die Nummer 1 im Preis­vergleich aber dafür spielen wir nicht beim Energie­markt-Poker mit und garan­tieren unseren Kunden stets ein konsis­tent faires Spiel.