Gerade in Sachen Wärmewende übernimmt Baden-Württemberg mit dem EWärmeG eine Vor­reiter­rolle in der Bundes­republik. Doch im Gegensatz zu den ungebrochen hohen Anfragen im Süden, gibt es besonders in Nord­deutschland einen Moderni­sierungs­stau im Heizungs­keller. Eine Analyse von rund 50.000 Anfragen für Heizungen, Moderni­sierungen und Repara­turen im Jahr 2016 zeigt deutlich, dass ein verschärfter Blick auf regionale Bedingungen helfen kann, um die Wärmewende voranzutreiben. Ein Gastbeitrag von Annika Verborg über den Status Quo:

Öko-Heizungen für Baden-Württemberg

Im ersten Moment scheint die Anschaffung von erneuerbar-unter­stützenden, energie­effizienten oder auch rein auf erneuer­baren Energien basierenden Heizungs­systemen besonders aus finanzieller Sicht eine höhere Belastung für das eigene Porte­monnaie zu sein. Doch wirt­schaft­lich attraktive Bundesländervergleich: Modernisierungsstau von Heizsystemen in NorddeutschlandÖko-Heizungen wie Wärme­pumpen, Holz­heizungen und Solar­thermie-Anlagen überzeugen besonders auf lange Sicht nicht nur mit geringeren Neben­kosten, sondern auch mit einer wichtigen und nach­haltigen Bilanz für die Umwelt.

Dass gerade die Ver­breitung dieser Heiz­systeme in einigen Teilen Deutsch­lands immer noch stockt und statt­dessen alte Öl- und Gas­heizungs­systeme weiter betrieben werden oder wieder gegen eben­solche klima­unfreund­lichen Heizungs­systeme aus­ge­tauscht werden, liegt zwar nicht grundsätzlich an einer nicht aus­reichend attraktiven Förder­kulisse. Trotzdem zeigt sich ein eindeutiges Bild: Denn dort, wo private finanzielle Mittel zur Verfügung stehen oder mit­hilfe einer regionalen Förder­maßnahme Anreize geschaffen werden, boomen auch die Ökoheizungen. Zu diesem Ergebnis kam die Unter­suchung von heizungsfinder, in der sich deutliche Unterschiede im Bundes­land­vergleich heraus­kristallisiert haben: Im Modernisierungs­ranking nach Bundes­ländern sind neben Baden-Württemberg und Sachsen auch Bayern und Thüringen Anfragen-Spitzenreiter für die Neu­installation von modernen Öko­heizungen. Die norddeutschen Bundesländer Niedersachen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und die Stadt­staaten Bremen und Hamburg hingegen bilden in dieser Hinsicht die Schluss­lichter des Rankings.

Aber was führt dazu, dass Wärmepumpen, Holzheizungen und Solarthermie-Anlagen im Süden und Süd-Osten weitaus häufiger angefragt werden, als im Norden der Bundesrepublik?

Ökologische Heizungsmodernisierung: Eine Frage des Einkommens?

Vergleicht man die Modernisierungs­rate mit demo­grafischen Daten, so zeigen sich Parallelen zwischen den Ein­kommens­verhältnissen und der Bereitschaft, in ökologische Heizungs­systeme zu investieren: Beziehen sich aus dem vergangenen Jahr in Hamburg nur 17,4 % aller Heizungs­anfragen auf ökologische Wärme­systeme, sind es ganze 38,3 % der knapp 7.500 Anfragen in Baden-Württemberg. Dabei ist die Nachfrage nach Wärmepumpen besonders hoch.

Dieser massive Unterschied von über 20 % hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Wärme­versorgung in Großstädten wie Hamburg oftmals durch große Zentral­heizungen erfolgt und eine Modernisierung mit einem höheren Aufwand verbunden oder technisch gar nicht möglich ist. Doch auch ländliche, norddeutsche Bundes­länder wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern liegen mit einem Anteil von 22,3 % und 25,5 % für Anfragen für Öko­heizungen weit hinter den Top-Ergebnissen von Baden-Württemberg, Sachsen oder Bayern.

Ein direkter Zusammen­hang von Einkommen und Investitions­bereitschaft in ökologisch nachhaltige Heizsysteme ist sicherlich gewagt. Mögliche Parallelen lassen sich bei einem Vergleich von Anfrage­volumen und Nettoeinkommen jedoch nicht ausschließen. Denn Spitzen­reiter Bayern und Baden-Württemberg sind auch im durch­schnitt­lichen Netto­einkommen mit 3.009 € und 2.989 € im Bundes­vergleich auf Platz 1 und 2. Das Schluss­licht in Sachen Verdienst bildet Mecklenburg-Vorpommern mit durch­schnitt­lich 2.140 €.

Der Vergleich von privaten Investitions­kosten und der Finanz­kraft der Einwohner eines Bundes­landes zeigt in erster Linie eins: In jeder Region herrschen andere Probleme und Heraus­forderungen, die berücksichtigt werden müssen, um den Anteil moderner Öko­heizungen zu erhöhen. Damit die Wärme­wende in Deutschland vorangetrieben wird, bedarf es deshalb vielleicht neuer Blick­winkel.

Regionale Förderungen können Einfluss nehmen

Bereits im Januar 2009 nahm Baden-Württemberg eine Vorreiter­rolle im Hin­blick auf das Erreichen regionaler Klimaziele ein. Mit dem dort in Kraft getretenen EWärmeG war der Weg klar definiert: Baden-Württemberg wirkt dem Klima­wandel entgegen und tut alles dafür, dass der Anteil der Nutzer von fossilen Energie­träger mittels attraktiver Förder­programme schnellst­möglich sinkt. Wenige Jahre später trägt die Idee Früchte und das Interesse an erneuerbaren Energie­quellen kann sich sehen lassen!

Besonders für die Schluss­lichter Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ist eine regionale Förderung vielleicht auch die Rettung der aktuell stockenden Wärme­wende. Baden-Württemberg hat es vorgemacht! Denn Nord­deutschland hat in Sachen Öko-Wärme­wende dringenden Nachhol­bedarf und nur durch wirksame Instrumente der staatlichen Unter­stützung lassen sich wichtige Ziele in der Erreichung von Öko-Standards und Zielen in den nächsten Jahren erreichen.

Hinweis: Hier erfahren Sie mehr über den richtigen Zeitpunkt für einen Heizkesseltausch