Um das Erneuer­bare-Wärme-Gesetz aus Baden-Württem­berg zu erfüllen, ist es unbe­dingt not­wendig, dass Sie zertifiziertes Biogas, und kein Öko- oder Klima­gas ver­wenden. Mit dem Unter­schied der Gas­typen haben wir uns in dem Blog­artikel „Klimagas ist kein Biogas!“ beschäf­tigt. Dabei wird erklärt, dass es sich bei Klima­gas um fossiles Erdgas handelt. Klima­freund­lich wird der Gas­typ ledig­lich dadurch, dass der Gas­versorger den ent­stehenden Aus­stoß von Kohlen­stoff­dioxid an anderer Stelle aus­gleicht. Dieses geschieht entweder durch die Unter­stützung von Klima­schutz­projekte oder durch den Ankauf von soge­nannten Emissions- oder Klima­zertifikaten. In diesem Bei­trag wollen wir Ihnen deshalb erklären, was sich genau hinter diesen Zertifi­katen verbirgt und wie der Emissions­handel funktio­niert. Um dieses doch recht komplexe und undurch­sichtige Thema zu verstehen, haben wir es in eine drei­teilige Themen­reihe aufge­splittet. Das erste Thema heute ist der regulierte Emissionshandel, der zu den soge­nannten Kyoto-Mecha­nismen gehört.

Das Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll wurde am 11. Dezember 1997 im Rahmen der dritten Vertrags­staaten­konferenz der Klima­rahmen­konvention in Kyoto verab­schiedet. Es bildet dabei ein Zusatz­protokoll zur Ver­tiefung der Klima­rahmen­konvention der Vereinten Nationen und dient dem Klima­schutz. Hierfür wurden Reduktions- und Be­grenzungs­ver­pflichtungen der Treib­haus­gas­emission für Industrie­länder festgelegt. Das Proto­koll ist Mitte Februar 2005 in Kraft getreten und wurde in seiner ersten Ver­pflichtungs­periode von 191 Staaten sowie der EU ratif­iziert. Die USA lehnte das Protokoll bereits 2001 ab. Die teil­nehmenden Industrie­länder ver­pflichten sich dabei ihre Emissions­mengen von Treib­haus­gasen um einen fest­ge­legten Prozent­satz zu reduzieren. Reguliert wird dieses durch soge­nannte Emissions­zertifikate. Es wird also eine maximale Emissions­menge für emissions­handels­pflichtige Anlagen fest­gelegt, die durch Zertifi­kate greif­bar gemacht werden. Ein gewisser Anteil der Zertifi­kate wird kosten­los ver­teilt, die Mehr­heit wird aber jähr­lich durch eine Auktions­platt­form der EU-Kommis­sion und der Mit­glieds­staaten und durch die deutsche Emissions­handels­stelle (DEHSt) an ansässige Unter­nehmen ver­steigert.

Hinweis: Im Kyoto-Protokoll wurde festgelegt, dass sich die aus­ge­ge­bene Menge an Emissions­zertifikaten jähr­lich um 1,74 % minimiert, um den Aus­stoß von Treib­haus­gasen kontinu­ierlich zu ver­ringern. Ab 2021 soll die Ver­ringerung auf 2,2 % pro Jahr erhöht werden. 2023 wird die Menge der Zertifi­kate dann auf die im Vor­jahr ver­steigerte Menge begrenzt. Darüber hinaus­gehende Reserven sollen dann ge­löscht werden, damit es nicht mehr Zertifi­kate gibt als tat­säch­liche Treib­haus­gas­emissionen.

Um die Reduktions­ziele zu erreichen, wurden im Kyoto-Protokoll die soge­nannten Kyoto-Mechanismen, oder Flexiblen Mechanismen, definiert. Hierbei handelt es sich um Strategien zur Emissions­minderung, die auf frei­williger Basis durch Unternehmen durch­geführt werden können. Im Folgenden stellen wir Ihnen diese Mechanismen kurz vor:

Emissionshandel

Unter Emissions­handel versteht man den Handel mit Rechten zum Ausstoß von Treib­hausgasen wie Kohlen­stoff­dioxid. Reduziert ein Unter­nehmen also seine Emissions­menge, so kann es seine über­schüssigen Rechte an andere Unternehmen weiter­geben. Der Emissions­handel wird somit zu einem markt­wirtschaft­lichen Instrument zur Erreichung der Klima­schutz­ziele, da Unternehmen durch die Reduktion der Treib­haus­gas­emission Vor­teile erzielen, bzw. durch eine zu hohe Emissions­menge für weitere Rechte zahlen müssen und somit einen wirt­schaft­lichen Nach­teil besitzen. Klima­schutz wird damit für die Wirt­schaft nicht nur aus ökolo­gischen, sondern auch ökono­mischen Gründen attraktiv.

Joint Implementation

Bei Joint-Implementation-Projekten schließen sich zwei Unter­nehmen aus im Kyoto-Protokoll aufge­führten Industrie­ländern zusammen. Ein Unternehmen, das die eigenen Emissions­reduktions­ziele nicht erreicht, kann dann ein Projekt in einem anderen Annex-B-Staat unterstützen. Die Emissions­minderung wird dadurch erzielt, dass an anderer Stelle Treib­hausgase eingespart werden. Dieser Mechanismus gleicht in seinem Grund­prinzip dem des Clean Development Mechanism.

Hinweis: Annex-B-Staaten sind die Länder, die sich im Rahmen des ersten Verpflichtungs­zeit­raums zur Reduktion von Treib­haus­gasen im Kyoto-Protokoll ver­pflichtet haben.

Clean Development Mechanism

Auch bei dieser Maß­nahme schließen sich zwei Unternehmen zusammen. Ein Unternehmen aus einem Annex-B-Staat, welches die Reduktion nicht selber aus­führen kann, unter­stützt dann ein Klima­projekt aus einem Entwicklungs­land und trägt damit zur Emissions­reduktion bei. Im Rahmen des Kyoto-Protokolls werden aus­ländische Klima­schutz­projekte dabei zertifi­ziert. Die daraus resul­tierenden Zertifi­kate werden Certified Emission Reduction Units (CERs) genannt und unterliegen bestimmten, durch das Protokoll festgelegten Qualitäts­standards. Ein Vorteil des Clean Development Mechanism ist dabei der Austausch von Unternehmen aus Industrie­ländern mit modernen Techno­logien und Unter­nehmen aus Entwicklungs­ländern.

Das Kompensationsprinzip
Der Grund­gedanke hinter den Kyoto-Mechanismen ist das Kompensations­prinzip. Da Klima­wandel kein lokales, sondern ein globales Problem ist, ist auch Klima­schutz ein globales Anliegen. Die Emissions­reduktion kann also erzielt werden, da auch durch die Ein­sparung von Treib­haus­gasen an einem ganz anderen Ort das Klima ge­schützt wird. Ein deutsches Unternehmen kann also zum einen zum Klima­schutz beitragen, wenn es selbst weniger Treib­haus­gase ausstößt und zum anderen, wenn es ein anderes Klima­schutz­projekt unterstützt, welches zur Emissions­reduktion beiträgt.

Der regulierte Emissionshandel

Dadurch, dass die Ausgabe und Anzahl der Emissions­zertifikate durch die Vereinten Nationen über­prüft und begrenzt wird, spricht man bei diesem Emissions­handel von einem regulierten Markt. Eines der Zertifikate berechtigt dabei zum Ausstoß von einer Tonne Treibhausgas. Der Emissions­handel sorgt dafür, dass Unternehmen, die weniger Treib­haus­gase ausstoßen als sie dürfen, die über­schüssigen Zertifikate zu Geld machen können. Produziert ein Betrieb dagegen eine höhere Menge an CO2 bzw. CO2-Äquivalenten als durch die Zertifikate erlaubt, muss es solche ankaufen oder es werden Sanktionen verhängt. Durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage soll der Klimaschutz also gefördert werden. Schließlich werden Klima­schutz­maßnahmen dann attraktiver, wenn der Preis für Zertifikate steigt.

Neben dem regulierten Emissions­markt existiert aber auch noch ein frei­williger Markt. Über diesen Berichten wir in Teil 2 unserer Themen­reihe.