Laut Erneuerbare-Wärme-Gesetz 2015 sind Sachkundige dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Einhaltung des Landesgesetzes zu informieren, bevor der alte Heizkessel ausgetauscht wird. So haben die Betroffenen die Möglichkeit, sich noch vor dem Tausch für ein passendes Heizsystem auf Basis von Erneuerbaren Energien zu entscheiden. Eine Kundenumfrage der Klimakönner GmbH hat nun ergeben, dass nicht alle Sachkundigen dieser Pflicht nachkommen.

Hinweispflicht durch Sachkundige nicht erfüllt

„Die Sachkundigen haben die Verpflichteten auf ihre Pflichten nach § 4 Absatz 1 sowie auf die verschiedenen Möglichkeiten der Erfüllung hinzuweisen, wenn sie für die Verpflichteten Aufgaben im Zusammenhang mit einer Bereitstellung oder dem Austausch einer Heizanlage wahrnehmen oder mit der Erfüllung der Nutzungspflicht beauftragt werden. Zur Erfüllung der Hinweispflicht genügt es, wenn die Sachkundigen den Verpflichteten ein entsprechendes Merkblatt übergeben.“EWärmeG 2015 § 21.1

In ihrer Umfrage ermittelte die Klimakönner GmbH unter anderem, wie ihre Kunden vom EWärmeG erfahren haben. Anlass für diese Frage war, dass sich in Kunden­gesprächen viel­fach darüber beklagt wurde, dass der eigene Heizungs­bauer beim Kessel­tausch nicht über das Wärmegesetz informiert hat. Erst ein Schreiben der Stadt bzw. des Landes war der erste Berührungs­punkt mit dem Gesetz. Die Umfrage unter­streicht diesen ersten Eindruck. Zwar wurden mit ca. 27 % die meisten Be­fragten durch ihren Heizungs­bauer informiert, doch noch längst nicht alle haben so von dem Wärme­gesetz erfahren.

Mehr als 20 % erhielten ihre ersten Infor­mationen über ein Schreiben der Stadt bzw. des Landes und ein Groß­teil wurde über die Nach­richten, die Zeitung oder das Internet darauf gestoßen. Das ist wirklich schade, denn die Idee, welche hinter der Hinweispflicht für Sachkundige steckt, ist großartig. Bevor die Betroffenen ihre Heizungsanlage tauschen, werden sie über die Gesetzes­einhaltung und alle Erfüllungs­optionen informiert. Bevor also einfach ein neuer Gas- oder Öl­kessel installiert wird, können die Haus­halte noch einmal überlegen, ob nicht eine solar­thermische Anlage oder eine Wärme­pumpe viel ge­eig­ne­ter zur Erzeugung von Wärme im eigenen Haus wäre. Bestenfalls lässt man sogar einen Sanierungsfahrplan von einem erfahrenden Energieberater vorab erstellen, um alle Potentiale zu erkennen.

Informiert der Sach­kundige aber nicht im Vorfeld, so sind die Be­troffenen in ihrer Gesetzes­ein­haltung ein­ge­schränkt. Bei einem neu instal­lierten Gas­kessel wird sich wohl kaum jemand für den Einsatz bspw. einer Wärme­pumpe ent­scheiden und noch einmal hohe In­ves­titions­kosten tragen. Die Einhaltung der Hin­weis­pflicht sollte deshalb unbedingt stärker Handwerker kommen Informationspflicht nicht nachgefördert und überprüft werden.

Erste Schritte hier­hin­gehend wurden durch das baden-­württem­ber­gische Landes­minis­te­ri­um für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft bereits eingeleitet. Neben Informations­materialien für Be­trof­fe­ne und Sach­kun­di­ge fördert es auch das Programm "Zukunft Altbau".

Verbesserung der aktuellen Situation

Viele Wege führen nach Rom – und zur besseren Auf­klärung der Ge­setzes­be­trof­fenen durch Heizungs­bauer und andere Sach­kundige. Das neutrale Marketing- und Information­sprogramm Zukunft Altbau hat sich bspw. zum Ziel gesetzt, die ener­ge­tische Sanierung in Baden-Würt­temberg zu verbessern und flächen­deckend über das Wärme­gesetz zu informieren. Auf Ver­anstaltungen und Messen tauschen sich die Mit­arbeiter mit Sach­kundigen aus und klären diese über die Hinweis­pflicht auf. Das Programm stellt den Heizungsbauern darüber hinaus ein Merkblatt zum Download und zur Bestellung bereit, um ihnen die Hinweis­pflicht zu er­leich­tern. Trotz dieser bereits getanen Schritte sollten aber noch andere Wege ein­ge­schla­gen werden, um die aktuelle Lage zu verbessern. Wie diese aussehen könnten ist dabei schwer zu sagen. Wir haben uns einmal ein paar Gedanken über mögliche Ver­bes­serungs­vor­schläge gemacht:

  • Informationsworkshops für Heizungsbauer
  • Kooperation mit Handwerkskammern, Handwerkerforen, Biomasselieferanten und Energieversorgern zur flächendeckenden Aufklärung der Handwerker
  • Kooperation und Informationsvermittlung über einschlägige Fachportale (z. B. DAA)
  • Stärkere Verbreitung der Hinweispflicht über das Internet
  • Schärfere Kontrollen der Hinweispflicht

Denkbar wäre auch, dass die Hand­werker ihrer Hinweis­pflicht zwar nachgehen, aber dass die Übergabe eines Merk­blattes nicht den erhofften Zweck erfüllt: Die Infor­ma­tionen über das Landes­gesetz landen nicht in den Köpfen der Be­troffenen, sondern im nächst­ge­legenen Müll­eimer. Eine Verschärfung der Hinweispflicht wäre dann eine mögliche Maßnahme. Interessant wäre hier eine Umfrage unter Sachkundigen, die abfragt, ob und wie diese über das EWärmeG informieren.

Und vielleicht hat ja auch alle Spe­ku­lation bald ein Ende. Schließlich soll in Kürze eine Evaluation des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes veröffentlicht werden. Ob diese Problematik dort the­ma­tisiert wird, bleibt abzuwarten. Eins steht jedenfalls fest: Auch wenn der Weg noch nicht ganz definiert ist, so ist das Ziel bereits gesetzt: Eine um­fang­reiche Auf­klärung der Be­troffenen durch die Heizungs­bauer.

Die Erfüllungsoptionen im EWärmeG

Ist dieses Ziel erreicht, so wird gewähr­leistet, dass jeder Betroffene das Gesetz auf seine persön­lich beste Weise erfüllen kann. Dass das Gesetz einen breiten Hand­lungs­spiel­raum bietet steht nämlich außer Frage. Schließ­lich können sich Haus­halte neben dem Ein­satz von Bio­gas und Bio­öl auch für den Ein­bau einer Wärme­pumpe, einer solar­thermischen Anlage, einer Einzel­raum­feuerungs­anlage oder einer Holz­zentral­heizung entscheiden. Baulicher Wärme­schutz in Zusammen­hang mit unter­schiedlichen Dämm­maß­nahmen ist ebenfalls im Wärme­gesetz anerkannt. Auch Ersatz­erfüllungs­optionen wie Photo­voltaik, Kraft-Wärme-Kopplung und der An­schluss an ein örtliches Wärme­netz sind zulässige Maß­nahmen. Dass der Groß­teil aller Be­fragten keine andere Erfüllungsoption als 10 %-Biogas in Kombination mit einem Sanierungsfahrplan in Erwägung gezogen hat, liegt zwar im Wesentlichen an den hier geringer ausfallenden Investitionskosten, doch waren auch teilweise bauliche Gegeben­heiten Grund für die Ent­scheidung. Haben die Be­troffenen erst nach dem Tausch des Heiz­kessels von der Erfüllungs­pflicht erfahren, so war der Bezug von Bio­gas bei einer be­stehenden Gas­heizung naheliegend. Vielleicht wäre die Ent­scheidung dann auf Solar­thermie gefallen, diese Erfüllungs­option war nämlich bei den Kunden nach Biogas am beliebtesten.

Hinweis: Die Klimakönner GmbH bedankt sich noch einmal für die Teilnahme ihrer Kunden an der Umfrage. Sie ist sich sicher, ihren Service durch die Ergebnisse maßgeblich verbessern zu können.