Das EWärmeG im Kreuzfeuer des BDH

„Nutzungspflichten qua Ordnungsrecht im Bestand im Falle von Bestands­sanierungen wirken kontra­produktiv und zementieren den seit Jahren anhaltenden Moderni­sierungs­stau. Das Bundesland Baden-Württemberg ist bei der Heizungs­moderni­sierung vom bundesweiten Spitzenreiter zum Schluss­licht abgerutscht und lässt damit immense Effizienz- und CO2-Minderungspotentiale ungenutzt.“ BDH-Präsident Manfred Greis

Der BDH ist vom Wärmegesetz aus Baden-Württemberg nicht überzeugt und kritisiert es nach Durch­sicht aktueller Zahlen drastisch. Seit 2008 beobachtet der Verband die Moderni­sierung­sent­wicklungen des baden-württem­bergischen Heizungs­marktes im deutsch­land­weiten Vergleich. Vor der Durch­setzung der Richt­linien und auch vor der Novellierung des Gesetzes konnte ein starker Anstieg der Modernisierungs­maßnahmen verzeichnet werden. Dieses allerdings ohne eine nennenswerte Integration von Erneuer­baren Energien. Diesen Anstieg benennt der BDH allerdings nicht als Erfolg, vielmehr macht er das

rationale Verhalten der Bürger bezüglich anstehender Vorschriften verantwortlich.Die jüngsten Zahlen seien nun ein endgültiges Indiz für den Fehl­schlag des Gesetzes. Laut einer Hoch­rechnung für das Jahr 2016 sei der Heizungs­markt um 14 % im Vergleich zu 2015 gesunken. Damit schneide Baden-Württemberg im Bundes­länder­vergleich sehr schlecht ab. BDH-Präsident Manfred Greis schreibt dieses den Vor­schriften zu. Man brauche vielmehr Anreize zur Modernisierung als Gebote und Verbote.

Berechtigte Kritik oder reine Stimmungsmache?

Die Deutsche Auftragsagentur (DAA) hält dagegen. Die Agentur ist ein in Deutschland führender Anfrage­vermittler im Heizungs­sektor und konnte auf Datenbasis von 50.000 vermittelten Heizungs­anfragen aus dem vergangenen Jahr den Ergebnissen des BDH die Stirn bieten. Die Aus­wertung der Anfragen rund um die Neu­installation, den Austausch sowie die Reparatur und Wartung von Heizungen hat gezeigt, dass Baden-Württemberg noch immer die Spitzen­position im Bundes­länder­ver­gleich einnimmt. Im Verhältnis zu den ansässigen Ein­wohnern kann das Land nämlich über­durch­schnitt­lich viele Anfragen aus dem Heizungs­bereich verzeichnen. Eine besondere Vor­reiter­stellung nimmt Baden-Württemberg bezüglich des Einsatzes von Erneuer­baren Energien ein. 38 % aller Anfragen beliefen sich nämlich auf Öko-Heizungen. Hierunter fallen 27 % Erneuer­bare Heiz­systeme wie Wärmepumpen und Pelletheizungen und 11 % Solarthermie-Unterstützung. Dieses Ergebnis spiegelt auch der baden-württembergische Energiebericht 2016 wieder. Dieser stützt sich auf Daten aus dem Jahr 2014 und zeigt, dass der Einsatz von Erneuerbaren Energien um 0,2 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Aus­schlaggebend für diese positive Ent­wicklung ist vor allem die Nachfrage nach Solar­thermie. So wurden die durch Sonnen­energie angetriebenen Anlagen zu 13,2 % stärker genutzt als 2013.

„Das EWärmeG dient dazu, mehr erneuerbare Energien bei der Gebäude­heizung einzusetzen. Das ist ein qualitativer Ansatz, kein quantitativer. Daran muss sich das EWärmeG messen lassen und zwar über einen längeren Zeitraum.“ BW-Umweltminister Franz Untersteller

Diese Daten zeigen: So einfach ist das EWärmeG nicht zu kritisieren. Baden-Württembergs Umwelt­minister Franz Untersteller äußert sich zu der harschen Kritik des BDH, indem er auf die unzu­reichende Daten­lage verweist. Solange es noch keine ausreichende Evaluation des EWärmeG gäbe, sei alle Kritik vor allem Stimmungs­mache. Schließlich ziele das Gesetz auch nicht primär auf einen

Anstieg der Modernisierungen an, sondern vielmehr auf die Ausdehnung des Ein­satzes von Erneuer­baren Energien. Die Zahlen des DAA zeigen die positive Entwicklung dank der Richtlinien. Dorothea Steinwachs, Abteilung Energie des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energie­wirtschaft des Landes Baden-Württemberg, äußerte sich gegenüber Klimakönner sehr positiv über die Veröffent­lichung des DAA: Auch wenn die Studie keinen eindeutigen Zusammen­hang zwischen der erhöhten Anzahl an Anfragen nach Erneuer­baren Energien und der Umsetzung des EWärmeG zeige, so sei der Rückschluss hierauf durchaus plausibel.

„Wir begrüßen die Veröffentlichung der Deutschen Auftragsagentur GmbH (DAA). Daraus lässt sich für uns zumindest entnehmen, dass das Interesse an Erneuer­baren Energien im Heizungs­bereich in Baden-Württemberg höher ist als im Rest der Bundesrepublik. Dies entspricht der Zielrichtung des EWärmeG, qualitative Verbesserungen im Heizungs­bereich durch den gesteigerten Einsatz erneuerbarer Energien anzustoßen.“

Dorothea Steinwachs, Abteilung Energie des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg

Sicher ist, dass vor allem nach dieser Kritik das Erneuerbare-Wärme-Gesetz mit Adleraugen beobachtet wird. Vor allem die geplante Evaluation der Vorschriften wird sehnlichst erwartet. Dorothea Steinwachs berichtete Klimakoenner, dass eben diese bereits durch das Umwelt­ministerium in Auftrag gegeben wurde und dem Landtag in Form eines Erfahrungs­berichtes Ende 2018 vorgelegt werden soll. Ob dieser Bericht zu noch mehr Kritik, oder vielleicht doch zu einer Nachahmung anderer Bundes­länder führt, bleibt nun abzuwarten.