Wärme­pumpen sind sehr beliebte Heiz­systeme in Neubauten. Bei Bestands­gebäuden halten sich die Moder­nisierungen in Richtung Wärme­pumpe allerdings stark in Grenzen. Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des BWP, räumt in diesem Interview mit dem Gerücht auf, Wärme­pumpen seien ungeeignet für Bestands­gebäude. Auch zur Ein­haltung des EWärmeG aus Baden-Württem­berg sollten sie stets als mögliche Erfüllungsoption in Betracht gezogen werden.

1. Immer wieder hört man von dem Vorurteil, dass sich der Einsatz einer Wärmepumpe im Bestand nicht lohnt. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig – dabei ist die Aussage schlichtweg falsch: In der Regel lässt sich auch im Bestand hervorragend mit einer Wärmepumpe arbeiten – egal, ob es sich um ein Gebäude aus dem 19ten Jahrhundert, um eine alte Kirche oder um einen 60er, 70er oder 80er Jahre-Bau handelt.

2. Was gilt es zu beachten, wenn man sich dazu entschließt, eine Wärmepumpe in Be­standsgebäuden einzusetzen?

Ent­schei­dend ist, die in­di­vi­du­ellen Ge­geben­hei­ten des Hauses, des Grund­stücks und die Wünsche der Be­wohner bei einem Vor-­Ort­-Termin ab­zu­gleichen. Zu prüfen ist vor allem, ob der Dämm­standard des Hauses, die Größe der vor­handenen Heiz­flächen und die Vor­lauf­temperatur des Wärme­pumpen­-Systems zueinander passen. Neben der Fest­stellung der möglichen Wärme­quelle (Erdwärme, Luft, Grund­wasser) ist also eine sorg­fältige Objekt­aufnahme un­um­gäng­lich. Hierzu gehört neben der Heizlastberechnung die Analyse des be­stehenden Heiz­systems (Hydraulik) und der vorhandenen Heiz­körper bzw. Heiz­flächen. Zusätz­liche energe­tische Maß­nahmen, die im Rahmen der Modernisierung geplant sind, spielen natürlich eine ent­schei­dende Rolle bei der Errechnung der möglichen Vor­lauf­temperatur. Ein hydrau­lischer Abgleich sollte in jedem Fall Teil des Angebots sein.

3. Es gibt Wärmepumpen, die sich der Wärmequelle Luft, Wasser oder Erde bedienen. Welcher Wärmequelle sprechen Sie das höchste Potential zu? Allgemein und in Bezug auf Bestandsgebäude.

Absatzzahlen für Heizungswärmepumpen in Deutschland 2010-2016Es kommt immer auf den Einzel­fall an. Geo­thermische Systeme und Luft-Wärme­pumpen kommen am häufigsten zum Einsatz – wobei gerade in Süd­deutsch­land auch Grund­wasser­wärme­pumpen gern verwendet werden. Hin­sicht­lich der Ab­satz­zahlen (Stand 2016) lässt sich folgendes be­ob­achten: Größter Gewinner in 2016 sind erd­gekoppelte Systeme: Gegen­über dem Vor­jahr legten sie um 21,8 % zu (2015: 17.000 Geräte; 2016: 20.700 Geräte). Luft­wärme­pumpen legten um 14,5 % von 40.000 Stück 2015 auf 45.800 in 2016 zu. Wie bereits im Vorjahr waren dabei ins­besondere Mono­block­geräte mit einem Zuwachs von 19,5 % beliebt (2015: 21.000; 2016: 25.100). Bei den Split­geräten fiel das Wachs­tum mit 8,9 % etwas kleiner aus (2015: 19.000; 2016: 20.700). Die Markt­anteile zwischen erd­ge­koppelten Wärme­pumpen und Luft­wärme­pumpen verändern sich gegen­über dem Vor­jahr kaum: Luft­wärme­pumpen be­herrschten auch 2016 den Wärme­pumpen­markt mit 68,9 % (Vorjahr: 70,2 %). Der Anteil von Erd­wärme­pumpen stieg um gut ein % (2016: 31,1 %; 2015: 29,8 %). Der Absatz von Warm­wasser­wärme­pumpen blieb mit 12.500 Geräten un­verändert gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt sind ca. 750.000 Heizungs­wärme­pumpen in Deutschland installiert.

4. Welcher Wärmepumpentyp ist am besten für Bestandsgebäude geeignet?

Auch das hängt sehr stark vom Einzel­fall ab: Besteht die Möglich­keit einer Bohrung (Erd­wärme­sonden) oder ist genügend Fläche vorhanden (Erd­wärme­kollektoren)? Lässt sich eine Luft­wärme­pumpe so aufstellen, dass die Schall­richt­linien eingehalten werden? Erd­gekoppelte Systeme sind über ein gesamtes Jahr betrachtet in der Regel effizienter. Luft­wärme­pumpen sind hin­sicht­lich der Installation ggf. un­komplizierter, weil keine Bohrung notwendig ist.

Zum Markt­potenzial: Während die Wärme­pumpe in jedem dritten neu­gebauten Wohn­gebäude eingesetzt wird, bleibt der Erfolg im Gebäude­bestand aus – hier liegt der Markt­anteil bei unter 5 %. Diesen Bereich muss die Politik adressieren, schließlich sind zwei Drittel der 21 Millionen Heizungen in Deutschland un­zu­reichend effizient. Wegen der höheren Energie­verbräuche in älteren Gebäuden reagieren die Ver­braucher sensibler auf die Preise der verschiedenen Energie­träger als in sparsamen Neubauten. Während der Preis für Heizöl auf unter 5 Cent gesunken ist, verharrt der Heiz­strom­preis bei etwa 21 Cent. Dabei machen Steuern, Abgaben und Umlagen 76 % des Heiz­strom­preises aus, während Heizöl in Deutschland – im Unterschied zu den meisten anderen EU-Ländern – kaum besteuert wird.Niveau und Zusammensetzung Energie­trägerpreise 2016

5. Was ist Ihre Meinung zum EWärmeG aus Baden-Württemberg? Denken Sie, dass dieses Gesetz dazu beitragen kann, dass die Wärmepumpe verstärkt in Bestandsgebäuden eingesetzt wird?

Für uns ist es aufgrund der Ver­triebs­wege schwierig, den Markt für Heizungs­sanierungen statistisch länder­scharf zu erfassen. BAFA-Daten zeigen, dass es aus Baden-Württem­berg bezogen auf die Bevölkerung über­durch­schnittlich viele Förderungen für den Einbau von Wärme­pumpen in Be­stands­gebäuden gibt (für 2016: 6,2 Förderfälle in BW – 4,5 im Bundes­schnitt). Gleichwohl gibt es auch Berichte, dass Verbraucher Investitionen länger aufschieben. Grund­sätzlich ist Ordnungs­recht im Bestand ein sensibles Thema. Uns wäre es lieber, wenn der Staat durch niedrigere Strom­preise die Wett­bewerbs­fähigkeit von Wärme­pumpen stärkt. Wir sind aber gespannt auf den Evaluations­bericht, den das Umwelt­ministerium Baden-Württembergs angekündigt hat.


Quelle: Bundesverband Wärmepumpe e.V.Wir bedanken uns bei Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverband Wärmepumpe e.V. für seine Zeit und seine Antworten zum Thema Wärmepumpen im Bestand.