Es ist eine alt­be­kannte Dis­kussion, die wohl jeder von uns hin und wieder mit sich selbst führt: Lieber jetzt Geld aus­geben oder für später sparen? Wie wäre es mit beidem? Inves­tieren Sie jetzt in einen hy­drau­lischen Ab­gleich Ihres Heiz­systems und sparen Sie lang­fristig jede Menge Geld und Energie. Ja, ich weiß: Geld für die Heizung auszu­geben macht lange nicht so viel Spaß wie für ein neues Auto, Schuhe oder Urlaube aber Sie werden mir danken, wenn Sie später von dem gesparten Geld in der portu­giesischen Sonne liegen und mit gutem Gewissen ein eis­kaltes Bier schlürfen.

Was ist der hydraulische Abgleich?

Habe ich Ihnen jetzt den Mund wässrig geredet? Na dann fragen Sie sich sicher, was ein hy­drau­lischer Ab­gleich über­haupt ist… ab jetzt wird’s fach­lich:

Bei einem hy­drau­lischen Ab­gleich werden die unter­schied­lichen Bestand­teile eines Heiz­systems so auf­einander abge­stimmt, dass die Wärme eines Heiz­systems optimal im Gebäude ver­teilt wird. Besonders ver­ständ­lich wird das, wenn man sich noch ein­mal vor Augen führt, dass es im Prinzip heißes Wasser ist, welches durch das gesamte Heiz­system fließt und für die Wärme­ver­teilung ver­ant­wort­lich ist. Diesem Wasser ist es reich­lich egal, welcher Raum die meiste Wärme be­nötigt. Es fließt einfach dahin, wo es am ein­fachsten hin­kommt. Ein hy­drau­lischer Ab­gleich wirkt dem ent­gegen: Er sorgt dabei nicht nur für die richtige Ein­stellung des Heiz­wasser­drucks und der Heizungs­pumpe, sondern bein­haltet auch die Berechnung von Druck­verlusten in Rohr­leitungen, die optimale Ver­sorgung der ver­schiedenen Heiz­flächen und die Kontrolle von Rück­lauf­tempera­turen.

Hinweis: Fälsch­licher­weise hat sich das Gerücht ver­breitet, ein hy­drau­lischer Ab­gleich ist nur in Mehr­parteien­häusern sinn­voll. Er lohnt sich aber auch bei Ein­familien­häusern – schließ­lich wird er immer indi­vi­du­ell auf die zu heizende Fläche ange­passt.

Es wird deut­lich, dass das Heiz­system doch ein recht komplexes ist und man den hy­drau­lischen Ab­gleich lieber dem Fach­mann über­lassen sollte. Dieser berechnet die Heiz­last jedes Raumes und stimmt die benö­tigte Wasser­menge darauf ab. Danach über­nimmt er die passende Ein­stellung der Thermostat­ventile. Auch wird die Justierung des Pumpen­drucks und der Heiz­kurve optimiert.

Hinweis: Für die Ein­stellung der Thermostat­ventile müssen zwingend vor­ein­stell­bare Ventile ver­baut sein. Ist dies nicht der Fall, sollte man unbe­dingt eine Nach­rüstung vor­nehmen.

Vorteile des hydraulischen Abgleichs

Dass Sie durch die optimierte Ein­stellung Ihrer Heizung viel Geld sparen können, wurde zu Beginn dieses Beitrags bereits be­schrieben. Vor allem die geringe Amorti­sations­zeit spricht für die Durch­führung: Die Kosten der Investition können zwar nicht konkret be­ziffert werden, da sie immer vom Gebäude selbst und auch vom Heizungs­bauer ab­hängen, man kann aber bei einem Ein­familien­haus Kosten in Höhe von 650 bis 1.300 Euro kalku­lieren. Bei jähr­lichen Ein­sparungen von ca. 100 Euro lohnt sich dieser Auf­wand dann doch recht schnell. Darüber hinaus hat der hydrau­lische Ab­gleich aber noch mehr zu bieten. Hier sehen Sie alle Vor­teile im Über­blick:

  • Senkung des Energieverbrauchs
  • Verringerung des CO2-Ausstoßes
  • Angenehmes Klima in allen Räumen
  • Keine störenden Geräusche (Gurgeln) der Heizung
  • Einsparung von Heizkosten
  • Fördermittel für die Durchführung

Förderung der Heizungsoptimierung

Ja, Sie haben richtig gelesen: Die profes­sionelle Durch­führung eines hy­drau­lischen Ab­gleichs wird staat­lich ge­fördert. Darüber hinaus ist diese Form der Opti­mierung auch Vor­aus­setzung für die Be­antra­gung vieler anderer Förder­mittel. Da sich der hy­drau­lische Ab­gleich nicht nur öko­nomisch für den Eigen­tümer lohnt, sondern auch öko­logische Vor­teile mit sich bringt, wird er als Sanierungs­maß­nahme von vielen ver­schiedenen öffent­lichen Stellen ge­fördert. Das Bundes­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kontrolle (BAFA) subventiniert den Ab­gleich mit bis zu 30 % der Kosten. Im Rahmen des Programms „Förderung der Heizungs­optimierung durch hoch­effi­ziente Pumpen und hy­drau­lischen Ab­gleich“ betei­ligt sich die BAFA an den Kosten für vor­einstell­bare Thermostat­ventile, die Ein­stellung der Heiz­kurve, die Instal­lation von Einzel­raum­temperatur­reglern und vieles mehr. Auch haben einige Kommunen ent­sprechende Förder­programme ins Leben gerufen. Darüber hinaus ist der hy­drau­lische Ab­gleich aber auch in vielen anderen Förder­programmen inte­griert: Die Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfA-Banken­gruppe) legt ihn bspw. als Voraus­setzung für die Be­antragung ihrer Förder­programme fest. Auch bei förder­fähigen Programmen der BAFA ist eine Durch­führung des hy­drau­lischen Ab­gleichs im Vor­feld oft not­wendig.

Hydraulischer Abgleich nach Heizungsmodernisierung

Ein weiteres Gerücht, welches sich rund um den hy­drau­lischen Ab­gleich eta­bliert hat, ist, dass er nach einer Heizungs­moderni­sierung direkt ver­pflichtend ist. Dem ist nur teilweise so: Er ist aber nach der Vergabe- und Vertrags­ordnung für Bau­leistungen und Teilen der Energie­einspar­verordnung (EnEV) durch Richt­linien und Vor­schriften gefor­dert. Diese aus­drück­liche Forderung sowie die Ein­bindung in Förder­programme haben aller­dings noch lange nicht dazu ge­führt, den hy­drau­lischen Ab­gleich als Standard zu eta­blieren. So sind Schätzungen zufolge bisher nur in 15 bis 20 % aller Gebäude ent­sprechende Sanierungs­maßnahmen vor­ge­nommen worden.

Klimakönner-Tipp: Die Moderni­sierung der Heiz­anlage ist der richtige Schritt in eine klima­freund­liche Richtung. Sparen Sie dann nicht am hy­drau­lischen Ab­gleich. Sehen Sie diesen lieber als Sahne­häub­chen, denn er ist sowohl bei älteren als auch neuen Heizungs­modellen sinn­voll. Er sollte viel weniger als Pflicht und viel mehr als Chance ver­standen werden, noch effizienter und kosten­sparender zu heizen.