Das Szenario: Sie kommen abends von der Arbeit nach Hause. Sobald Sie den Schlüssel ins Schloss stecken hören Sie schon den Hund freudig bellend zur Tür laufen. Ist diese offen, folgen die brül­lenden Kinder. Kurz: Ein Chaos mit tosendem Lärm. Und danach: Stille. Nein – stimmt gar nicht: Da ist ein Gluckern zu hören, ein leises Rauschen klingt durchs Haus und ver­dammt noch mal, wieso ist es eigent­lich so kalt?! Spätestens jetzt haben Sie den lärmen­den Unruhe­stifter wohl identi­fi­ziert: Die Heizung ist kaputt – was ein Ärger.

Neben den Reparatur­kosten fällt bei den Bürgern Baden-Württembergs dann gleich noch ein weiterer Punkt ins Gewicht: Muss ich jetzt das EWärmeG erfüllen? Im Gesetz heißt es nämlich, dass die Nutzungs­pflicht entsteht, sobald der zentrale Wärme­erzeuger (i. d. R. der Heiz­kessel) ausgetauscht wir. Das heißt: Nicht bei jedem Schaden Ihrer Heizung müssen Sie die Richt­linie gleich erfüllen. Schauen Sie sich die Misere erst einmal genau an.

Wie ist eine Heizanlage überhaupt aufgebaut

Um zu wissen, was kaputt ist, muss man sich erst­mal einen Über­blick darüber verschaffen, was bei einer Heizung überhaupt kaputt­gehen kann. Hier also eine Über­sicht der Bestand­teile einer Heiz­anlage:

**Heizkessel** Er ist der zentrale Wärmeerzeuger, in dem das Gas verbrannt wird
**Heizungsregelung** Sie ermittelt die zum Heizen erforder­liche Vor­lauf­tempera­tur, mit der die Raumheizung versorgt wird. Dies geschieht durch Messung der Außen­tempera­tur
**Brenner** Als Bestandteil des Heizkessels sorgt er für die Verbrennung des Gases
**Wärmetauscher** Er überträgt die im Kessel erzeugte Wärme auf das Wärme­träger­medium
**Heizungspumpe** Auch als Umwälz­pumpe bekannt pumpt sie das Wärme­träger­medium durch die Heizungs­rohre bis hin zu den Heizkörpern
**Ausdehnungsgefäß** Es sorgt für einen konstanten Druck in der Anlage
**Heizkörper** Die wohl berühmtesten Bestand­teile der Heizanlage, da sie in den Räumen selbst verbaut sind
**Vorlauf- Rücklaufleitung** Diese Rohre bringen im Vorlauf das Wärme­träger­medium zu den Heiz­körpern und im Rück­lauf zurück zum Kessel

Hinzu­kommen kleinere Bestand­teile wie Ventile oder Thermos­tate, die natür­lich auch Verschleiß­merk­male aufweisen können. Es wird aber sicher­lich deutlich: Für einen Defekt kann es jede Menge Ur­sachen geben. Nicht jede führt damit gleich zur Nutzungs­pflicht des EWärmeG. Dieses muss wirklich nur beim Tausch des Kessels erfüllt werden – Der Brenner oder die Pumpe gelten nur als Bestand­teile der Heizungs­anlage, nicht aber als zentrale Wärmeerzeuger.

Die Heizung ist kaputt – und jetzt?

Jetzt sagen sie vielleicht: „Zu wissen, was kaputt­gehen kann, ist schön und gut, ich will aber wissen, was ich jetzt tun muss!“ Ein berechtigter Gedanken­gang!

Bei diesen Dingen können Sie erst einmal selbst aktiv werden:

Ein häufiges Problem ist zu viel Luft in den Heiz­körpern. Dieses kann schnell und einfach behoben werden. Mit einem sogenannten Heizungs­schlüssel können Sie das Ent­lüftungs­ventil an der Seite des Heiz­körpers vor­sichtig öffnen und die über­schüssige Luft ent­weichen lassen. Drehen Sie das Ventil wieder zu, sobald Wasser kommt. Falls Sie keinen Heizungs­schlüssel zuhause haben, können Sie sich einen solchen einfach im nächsten Bau­markt besorgen.

Ein weiterer häufig auf­tretender Schaden sind klemmende Thermostat­ventile. Dieses geschieht zumeist zu Beginn der Heiz­periode. Um sich zu verge­wissern, ob hier der Fehler liegt, öffnen Sie den drehbaren Kopf des Thermos­tats. Sie sollten nun einen Stift sehen, der frei liegen müsste. Tut er das nicht, so haben Sie den Übeltäter identi­fi­ziert.

**Hinweis**: Auch sollten Sie regel­mäßig den Wasser­stand Ihrer Heiz­anlage über­prüfen (sofern Wasser Ihr Träger­medium dar­stellt). Der Wasser­druck sollte bei einem Ein­familien­haus zwischen **1 und 1,5 bar** liegen. Wird dieser Wert nicht erreicht, sollten Sie Wasser nach­füllen. Fällt der Druck den­noch ab, könnte dies an Ihrem **Aus­dehnungs­gefäß** liegen. Symptome sind außer­dem ein stark schwankender Druck oder aus­tretendes Wasser aus dem Sicher­heits­ventil Ihrer Anlage. In diesem Fall sollten Sie sich dringend einen Installa­teur ins Haus holen.

Jetzt sollte doch lieber ein Profi ans Werk

Sie haben all diese Kleinig­keiten überprüft und frieren noch immer? Dann kann das Problem natürlich auch an der Pumpe liegen. Ist diese defekt, kann das Heiz­wasser nicht mehr durch die Rohre zu den Heiz­körpern befördert werden. Meistens merkt man, ob die Pumpe noch arbeitet, wenn sie leicht vibriert. Da sie mit Strom betrieben wird, kann eine veraltete Pumpe schnell zur Kosten­falle werden. Wenn sie also anfängt, Probleme zu machen, sollten Sie ernsthaft über einen Aus­tausch nach­denken.

Ja und dann kann natürlich auch ein alter Heizkessel Verschleiß­erscheinungen aufweisen. Auch hier sollte über einen Austausch nachge­dacht werden, auch, wenn Sie dann in der Pflicht sind, das Erneuer­bare-Wärme-Gesetz in BaWü zu erfüllen. Ein neuer Heiz­kessel sorgt schließ­lich auch für mehr Effizienz, wodurch Sie wieder Kosten einsparen.

**Hinweis**: Wir empfehlen Ihnen, Ihre Heizung regelmäßig zu kontrollieren und zu warten. Je älter die Heizung, desto öfter sollte sie unter die Lupe genommen werden.

Weitere Hilfestellung für evtl. Heizungsmodernisierungen:

Hier finden Sie ein paar Hilfe­stellungen bzw. Richtwerte, die Ihnen im Umgang mit Wartungen als Grund­lage dienen können:

  • Liegt der Abgasverlust Ihrer Heizung über 11 %, sollten Sie über einen Tausch nachdenken.
  • Bei einer Abgas­temperatur von über 200 °C ist eine Inspektion notwendig.
  • Liegt die Temperatur im Heizungs­keller über 22 °C haben Sie es mit hohen Energie­verlusten und damit erhöhten Energiekosten zu tun.
  • Sieht Ihr Kessel schon alt aus und hat sichtbare Mängel, sollten Sie Ihn auf seine Effizienz begutachten lassen.
  • Ist Ihr Heiz­kessel schon älter als 20 Jahre, sollten Sie ihn tauschen.

**Hinweis**: Neben dem Kessel sollten Sie auch Ihre Pumpen, Rohr­leitungen, Heiz­körper und Thermos­tate gelegent­lich einer Inspektion unter­ziehen.