Blicken Sie hinter die Fassade

Herz­lichen Glück­wunsch – Wenn Sie dies lesen haben sie vermutlich bereits die erste Mammut­frage auf dem Weg zum Eigen­heim beant­wortet: Sie haben sich gegen den Neu­bau und für ein Bestands­gebäude ent­schieden. In den meisten Fällen folgen dann viele lange Nächte, die Sie nicht mit Schlafen, sondern mit mehr oder weniger erfolg­reichen Recherchen auf Immobilien-Websites verbringen. Vielleicht haben Sie dieses aber auch gleich an einen Profi weiter­gegeben und einen Immobilien­makler beauf­tragt. So oder so: Lassen Sie sich von ersten idyl­lischen Bildern nicht blenden. Beim Haus­kauf gilt vor allem eins: Blicken Sie ganz genau hinter die Fassade. Bevor Sie also den ersten Besich­tigungs­termin antreten, können Sie gerne einmal die Umge­bung aus­kund­schaften. So ver­schaffen Sie sich einen ersten Über­blick darüber, ob die Eck­daten auch stimmen. Wie weit ist es zur nächsten Schule, zum nächsten Sport­verein, Super­markt und zu Ihrer Arbeits­stätte? Wie sehen die Häuser der Nach­barn aus, wie ist die all­gemeine Atmos­phäre in der Nachbar­schaft? Gibt es aus­reichend Park­mög­lich­keiten? Schon bei einem ersten Umgebungs­check kann Ihnen bereits auf­fallen, dass das ausge­wählte Traum­haus wohl doch nicht ganz das richtige ist.

Hinweis: Viel­leicht können Sie auch vor der ersten Begehung bereits einen Blick auf den Grund­riss werfen? Dann können Sie gleich prüfen, ob auch genügend Räume vorhanden sind, die möglicher­weise auch flexibel nutz­bar sind.

Zur Vor­über­prüfung der Eck­daten zählt aber leider nicht nur eine erste Ob­ser­vation der poten­tiellen Nach­barn. Nein, auch etwas unspek­taku­lärere Rahmen­bedin­gungen sollten unbe­dingt über­prüft werden. So ist es sinn­voll, zu erfragen, wie alt das Haus ist. Ist dieses nach dem 01. Februar 2002 erbaut worden, musste der Bau­herr bereits einige Anforderungen der Energie­einspar­verordnung (EnEV) erfüllen. Das könnte ein erstes Indiz dafür sein, dass das Haus weniger sanierungs­bedürftig ist.

Augen auf beim Häuserkauf

Die Eck­daten stimmen und der erste Besich­tigungs­termin steht an. Sie gehen durch die Tür, der Bauch schreit ja, der Kopf schreit…“Vorsicht, es gibt noch einiges zu beachten!“ Natürlich macht es mehr Spaß, das Haus vor seinem inneren Auge schon mit den schönsten Möbeln ein­zu­richten, doch verlieren Sie die Sanierungs­bedürftig­keit der Immobilie dabei nicht aus den Augen. Das Gute ist aber, dass der Vorbe­sitzer Ihnen spätestens bei der ersten Besichtigung den Energie­ausweis des Hauses zur Verfügung stellen muss. Hier können Sie sich schon einmal grob über den Energie­verbrauch informieren und Sanierungs­empfehlungen nach­lesen. Außerdem können Sie ja auch einen ersten Blick auf den Zustand der Fenster oder der Heiz­anlage werfen.

Hinweis: Lassen Sie sich bei dieser Entscheidung nicht stressen. Manchmal ist es nicht verkehrt, den ersten Eindruck und vor allem die erste Euphorie einmal sacken zu lassen und mit einem frischen Kopf noch einmal wieder zu kommen.

4 Augen sehen besser als 2

Und 6 Augen sehen besser als 4: Einen Fach­mann zu Rate zu ziehen ist oft sinnvoll. Dieser prüft die Immobilie auf Herz und Nieren. Dabei schaut er nicht nur von außen auf die Fassade, sondern prüft die Immobilie auch von innen. Garten, Garage, Keller und Dach werden dabei zusätz­lich inspiziert. Auf Grund­lage der bei der Begehung begut­achteten Tatbe­stände kann Ihnen der Profi dann eine Prognose über kurz-, mittel- und langfristige Sanierungen geben und möglicher­weise bereits erste Schätz­kosten auf­stellen. Man sollte sich schließ­lich bewusst darüber sein, dass der reine Haus­kauf nicht die einzige anfallende Investition ist. Seien Sie also dankbar über jede früh­zeitig identifi­zierte spätere Investi­tion. Bei einem ersten Kosten- und Finan­zierungs­konzept kann so etwas näm­lich Gold wert sein…oder eben zeigen, wie viel Gold man am Ende doch noch inves­tieren muss.

Klimakönner-Tipp: Schauen Sie sich die Förderprogramme der KFW Bank für Bestands­gebäude an. Hier gibt es ein paar interes­sante Finan­zierungs­mög­lich­keiten für Sanie­rungen und auch für den Kauf von bereits saniertem Wohn­raum.

Nach der Besichtigung ist vor dem Kauf

Wenn Sie sich nun für das Haus entschieden haben, dann ist das Ganze noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Zuerst müssen Sie noch dem Notar einen Besuch abstatten. Die nota­rielle Beur­kundung von Grund­stücks­kauf­ver­trägen ist nämlich in Deutsch­land durch den Gesetz­geber ver­pflichtend. Außerdem über­prüft dieser auch gleich, ob der Verkäufer laut Grund­buch­eintrag überhaupt zum Verkauf der Immobilie berech­tigt ist. Ist dies der Fall, wird ein für das Haus individueller Kauf­vertrag aufge­setzt. Spätestens jetzt sollten Sie sich noch einmal vor Augen führen, dass Sie gerade dabei sind, ein Haus zu kaufen. Und das bedeutet, dass Sie einen Vertrag unter­schreiben, bei dem Sie Ihren Erwerb nicht wieder zurück­geben oder um­tauschen können. Ein Hauskauf ist eben doch etwas anderes als ein Staub­sauger­kauf!

Außerdem könnten Sie nun schon einmal Muster­verträge aus dem Internet durch­forsten oder auch Freunde und Bekannte nach hilf­reichen Tipps und Erfahrungen fragen. So springen Sie nicht ganz ins kalte Wasser, wenn der tat­säch­liche Vertrag dann bei Ihnen ein­trifft. Laut Be­urkundungs­gesetz müsste dieses übrigens mindestens zwei Woche vor dem Termin der Be­urkundung bei Ihnen eingehen. Den eigent­lichen Vertrag sollten Sie dann ganz in Ruhe durch­lesen und prüfen. Außerdem sollten Sie die Möglich­keit erfragen, eine Klausel zu ver­steckten Mängeln der Immobilie zu inte­grieren. Viele Schäden werden nämlich erst im Nach­hinein identifi­ziert. Ist der Vertrag dann unter­schrieben, haben Sie es geschafft!

Ach Stop: Jetzt geht ja der ganze Ein­richtungs- und Umzugs­stress los!

Hinweis: Um Sanierungs­potenziale zu identi­fizieren, ist es zu empfehlen, einen Energie­berater zu beauf­tragen, der Ihnen genau auf­zeigt, welches energe­tische Potential in Ihrem neuen Traum­haus steckt. Eine BAFA Vor-Ort-Beratung ist hierfür eine mögliche erste Maß­nahme.