Der aktuelle Kon­junktur­bericht des Baden-Württem­bergischen Hand­werks­tag (BWHT) zeigt eine positive Ent­wicklung für das Hand­werk im Ländle. Für den Bericht befragen die regionalen Hand­werks­kammern jedes Quartal 1.500 Fach­betriebe unter­schied­licher Hand­werks­gruppen. Unter Ein­bezug vergangener Befragungen können so Zukunfts­trends im Hand­werk identifiziert werden.

Neues Allzeithoch der Handwerkskonjunktur

Und der aktuelle Zukunfts­trend sieht dabei rosig aus. Schließ­lich zeigten sich mehr als 75 % der Befragten mit der aktuellen Geschäfts­lage ihres Betriebes zufrieden. Nur noch 4,7 % bewerteten die aktuelle Lage als schlecht. Auch für den weiteren Verlauf des Geschäfts­jahres äußerte sich die Mehr­zahl der Befragten sehr positiv. Der Konjunktur­indikator des BWHT, der aktuellen Lage und die erwarteten Lage der Fach­betriebe, mit ein­be­zieht, war damit im letzten Bericht so hoch wie noch nie. Am stärksten aus­ge­prägt war der Indikator für die Hand­werks­gruppe „Bau­haupt­gewerbe“, dicht gefolgt von der Gruppe „Ausbau“, unter die auch die baden-württem­bergischen Heizungs­betriebe fallen. Die schlech­teste Bewertung erziele die Nahrungs­mittel­branche. Dennoch ist auch hier eine positive Entwicklung zu erkennen.

Hinweis: Als Hand­werks­gruppen definiert der BWHT die Kategorien Ausbau, Bau­haupt­gewerbe, Dienst­leistung, Gewerb­licher Bedarf, Kfz-Gewerbe, Gesund­heit und Nahrungs­mittel.

Auch die Auftragslage der Betriebe entwickelt sich dabei sehr positiv. Knapp 41 % der Befragten berichteten im 2. Quartal 2017 von einem Auftrags­zu­wachs. Den stärksten Zu­wachs erzielte dabei die Baubranche. Der größte Umsatz wurde dabei mit 58,9 % des Gesamt­umsatzes durch Sanierungs- und Moderni­sierungs­maßnahmen in Bestands­gebäuden erzielt. Durch das EWärmeG 2015 ist dadurch auch ein Zuwachs des Einsatzes Erneuer­barer Energien für die Wärme­gewinnung zu erhoffen. Auf Basis dieser Auftrags- und Umsatz­steigerung erhöht sich auch die Einstellungs­bereit­schaft in den einzelnen Hand­werks­betrieben. Diesem entgegen steht aber ein sich ausweitender Fach­kräfte und Nach­wuchs­mangel.

Nachwuchsmangel im Handwerk

In einem Interview bestätigt Eva Hauser, Presse­sprecherin des BWHT, dass sich der Nach­wuchs­mangel in Aus­bildungs­berufen auch auf das Hand­werk auswirkt. Als Gründe für diesen Lehrlings­mangel identifiziert sie nicht nur die geburten­schwachen Jahr­gänge, sondern auch den Trend zum Studium und das negative Image der Hand­werks­berufe in jüngeren Gene­ra­tionen. An der Image­problematik versucht der Baden-Württem­bergische Hand­werks­tag durch die bundes­weite Kampagne #einfachmachen zu arbeiten. Ein Erfolg ist daran zu sehen, dass die Nach­wuchs­zahlen seit drei Jahren wieder moderat steigen. Auch die Betriebe selbst können durch motivierten Einsatz an Schulen oder auch im Internet dafür sorgen, dass sie qualifizierte Nach­wuchs­kräfte für sich gewinnen können. Eva Hauser formuliert dabei nützliche Tipps, die sich Hand­werker zu Herzen nehmen sollten, um junge Leute für Ihren Beruf zu gewinnen.

„Unser Rat lautet: Früh­zeitig an Schulen gehen und sich dort bei­spiels­weise im Rahmen von Bildungs­partner­schaften an der Berufs­orientierung be­teiligen. Jugend­lichen Praktika anbieten, damit diese erleben können, was das moderne Hand­werk bietet. Eigene Azubis als Aus­bildungs­bot­schafter in Schulen schicken, damit diese ihren Beruf prä­sen­tieren. Gut fahren die Betriebe auch mit Aus­bildungs­videos auf YouTube, Face­book oder mit Instagram-Stories. Und nicht zuletzt: Junge Menschen wollen ernst genommen werden. Dazu gehört, dass man sich mit ihnen und ihren Vor­stellungen aus­einander setzt. Auch mit Wissens­management, Mit­arbeiter­beteiligung oder Gesund­heits­vor­sorge können Betriebe punkten.“ Eva Hauser, Pressesprecherin BWHT

Meisterbonus auch für Baden-Württemberg

Um den Fach­kräfte­mangel anzugehen, sieht der BWHT auch die in Bayern bereits eingeführte Meister­prämie als interessanten Ansatzpunkt. Durch die Abschaffung der Studien­gebühren liefert das Land bereits finanzielle Anreize für eine Aus­bildung in diese Richtung. Im Hand­werk ist dieses noch anders: Ein Geselle muss für die Aus­bildung zum Meister knappe 10.000 Euro investieren. Der BWHT fordert deshalb eine Prämie von 1.500 Euro. Eine solche Meister­prämie wäre dabei „ein Baustein mit Signal­wirkung“.

„Konkret stellen wir uns das so vor, dass das Land ein Dar­lehen gewährt. Wer die Prüfung besteht, soll dies dann nicht mehr zurück­zahlen müssen. Wer dagegen nur bestimmte Schritte auf dem Weg zum Meister absolviert und dann abbricht, der muss Teile des Dar­lehens wieder zurück­zahlen. Wir machen uns Sorgen, dass es bald zu wenig Meister gibt, um die 19.000 Betriebe zu übernehmen, die allein in den kommenden zehn Jahren einen Nachfolger suchen.“ Eva Hauser, Pressesprecherin BWHT

Insgesamt zeigt der Konjunktur­bericht, dass sich das Handwerk in die richtige Richtung entwickelt. ZU hoffen ist, dass durch entsprechende Anreiz­modelle auch der Nachwuchs gefördert wird, damit die Betriebe den steigenden Aufträgen auch nachkommen können.

Für die Klima­politik im Rahmen des Erneuerbare-Wärme-Gesetz sind vor allem die steigenden Umsatzzahlen für Sanierungs- und Moderni­sierungs­maßnahmen in Bestands­gebäuden eine positive Entwicklung. Nach einer Mo­der­ni­sierung des Heiz­systems sind Gebäude­eigentümer dabei zum Einsatz von Erneuer­baren Energien ver­pflichtet. Die beteiligten Fach­betriebe sollten dabei eine auf­klärende und unter­stützende Position eingehen, um auch ihrer Hinweispflicht im EWärmeG nachzukommen.