Wir möchten Ihnen einen Einblick hinter die Kulissen unserer Gas­versorgung gewähren. In diesem Artikel erklären wir, wie sich die Preise zusammen­setzen und nach welchen Regeln eine Preisfindung bei Vertrags­abschluss bzw. -verlängerung erfolgt.

Kostenpositionen der Gaslieferung

Der Preis unseres Biogasmischproduktes besteht aus diesen Kostenpositionen:

  • Erdgas (variiert täglich; zwischen 1,25 und 1,95 Ct/kWh in den letzten 15 Monaten)
  • Biogas (relativ stabil; Mehrkosten für 10 % Anteil ~ 0,50 Ct/kWh)
  • Gesetzliche Belieferungsnebenkosten
    (Bilanzierungsumlagen etc. = schwanken halbjährlich ~ 0,50 Ct/kWh)
  • Konzessionsabgabe
    (Durchleitungsgebühr an Gemeinde = fester Wert = 0,03 Ct/kWh)
  • Energiesteuer (fester Wert = 0,55 Ct/kWh)
  • Transportkosten* des örtlichen Netzbetreibers (Netznutzungsentgelte = relativ stabil = Anpassung kalenderjährlich = i. d. R. zwischen 1,20 und 1,80 Ct/kWh)
  • Zählerkosten* des örtlichen Netzbetreibers (Transportabrechnung, Messung/Ablesung und Messstellenbetrieb = relativ stabil = Anpassung kalenderjährlich = i. d. R. zwischen 20 und 80 €)

*Alle Transport- und Zählerkosten sind von der geografischen Lage der Lieferadresse abhängig. Jeder Netzbetreiber hat seine eigenen Preise. Aus diesem Grund fragen wir im Preis­rechner Ihre Post­leit­zahl ab, um Sie dann den richtigen Netznutzungsentgelten zuzuordnen.

Viele Versorger legen einen Durch­schnitts­preis über ganz Deutschland/Baden-Württem­berg an. Dies ist eine nicht ver­ursacher­gerechte Auf­teilung, da bei dieser Vorgehens­weise Kunden mit niedrigen Netznutzungsentgelten Kunden mit hohen Netz­nutzungs­entgelten subventionieren.

Unternehmens­spezifischen Kosten, bspw. für das Personal und den Betrieb, und die Umsatz­steuer sind zu den obigen Positionen hinzuzurechnen.

Erdgaseinkauf bestimmt den Gesamtpreis

Bei den oben auf­ge­listeten Kosten­positionen wird schnell klar, dass dem Erdgas­preis eine besondere Rolle zukommt. Nicht nur von der absoluten Höhe her, sondern besonders auch bzgl. der Volatilität (= den täglichen Schwankungen). Alle anderen Faktoren ändern sich unter normalen Umständen moderater, und vor allem in größeren Zyklen (jährlich, halbjährlich), und wirken sich somit tendenziell dämpfend auf die Preis­entwicklung aus. Dement­sprechend ist der Gaseinkaufspreis für die Preis­bestimmung und in Folge dessen auch für Preis­änderungen entscheidend.

Kalkulation des Preises

Bei der Preiskalkulation werden die nächsten 12 Liefer­monate auf Basis der aktuell aus­gewiesenen Preise der deutschen Energiebörse, der EEX, berücksichtigt. D. h. die gesamte Vertragslaufzeit wird eingepreist. Unser Preis­rechner spiegelt das Gaspreisniveau wider.

Je nachdem zu welchem Zeitpunkt Sie bei uns bestellen, ergibt sich ein anderer Preis. Bspw. verursacht Kunde A in der folgenden Grafik bei einem Vertrags­abschluss Ende Dezember 2015 Gaskosten von ~ 1,60 Ct/kWh. Im Gegen­satz dazu ergibt sich bei der Bestellung von Kunde B im März 2016 aufgrund einer Niedrig-Preis-Phase ein Preis von ~ 1,40 Ct/kWh. Somit wird der Gaspreis, wie bei anderen Produkten auch, vom Markt geregelt und ist vom Zeitpunkt des Kaufes abhängig.

Kursdiagramm der Börsen Erdgas­preise für 12-Monats-Bänder von Okt 2015 bis Jan 2017 mit eingezeichneten Bei­spiel­bestellungen Die Grafik zeigt die Preisentwicklung beim Einkauf für die jeweiligen nächsten 12 Monate.

Bei einer potentiellen Vertrags­verlängerung nach 12 Monaten werden Ihre derzeitigen Vertrags­konditionen mit dem aktuellen Tarif verglichen. Der Kunde A in der oben stehenden Grafik würde bspw. bei einer Verlängerung im Dezember 2016 in ein höheres Preisniveau fallen: ~ 1,80 Ct/kWh. Diese Änderung würden wir verur­sacher­gerecht an den Kunden weiter geben. Anders­herum wird ein Preisverfall natürlich genauso an den Kunden weiter gegeben. Um eine höchst­mögliche Preis­stabilität zu gewähr­leisten, muss es sich in beiden Fällen einer Preis­änderung um eine signifikante Anpassung handeln.

Eine Vertrags­verlängerung ist somit nichts anderes als ein Neuabschluss nach den ersten 12 Monaten zu den dann vorherr­schenden Konditionen. Bei uns werden somit Neu- und Altkunden gleich behandelt.

Hinweis: Eine Preis­änderung müssen wir Ihnen per Gesetz 6 Wochen vorher mitteilen. In einem solchen Fall haben Sie ein Sonder­kündigungsrecht.

Wie hoch das Preis­niveau bei einer Vertrags­verlängerung ist, können wir erst kurz vor dem Aus­laufen des Vertrages, spätestens jedoch 6 Wochen vorher, sagen.

Gaseinkauf

Egal ob zum Zeitpunkt der Bestellung oder der Vertrags­verlängerung, wir kaufen für die nächsten 12 Liefer­monate an der Energiebörse für Sie ein. Wir halten diese Art der Beschaffung für fair.

Natürlich kommen auch andere Einkaufs­strategien in Frage, bspw. die rollierende Beschaffung. Hierbei werden jeden Monat (oder in noch kürzeren Zeiträumen) Mengen für die Zukunft beschafft. Dadurch ergibt sich ein Durch­schnitts­einkaufs­preis. Bei dieser Beschaffungs­variante fallen aber der Einkaufs­preis und der an den Kunden weiter gegebene Preis oftmals weit auseinander.

Exkurs: Durch das Absenken des Grund­versorgungs­tarifes vieler Stadtwerke (von „sehr teuer“ auf „teuer“) wird häufig der Eindruck vermittelt, dass die Gas­einkaufs­preise generell gesunken sind. Das entspricht aber nicht dem derzeitigen Preisniveau (siehe Grafik). Sie können das auch auf den neutralen Seiten der deutschen Energie­börse EEX gegenprüfen.

Vorsicht bei ungewöhnlich günstigen Tarifen

Sogenannte Discounter bieten häufig Preise an, die besonders günstig erscheinen. Bspw. mit folgenden Methoden:

  • Lockangebote: Den Kunden erwartet nach 1 Jahr eine erhebliche Preis­erhöhung. Diese wird in einem mehrseitigen Schreiben gut versteckt, so dass viele Betroffene es gar nicht bemerken.
  • Bonusmodelle: Hier ist bei Vertrags­abschluss eine Preis­erhöhung nach dem ersten Jahr schon beschlossen. Die Kosten werden nämlich nur im ersten Jahr durch den Bonus gesenkt. Im zweiten Jahr gibt es keine Preis­nachlässe und es ist ein deutlich höherer Preis zu zahlen als bei einem Tarif ohne Bonus.
  • kWh-Pakete: Hier wird ein günstiger Preis geboten, jedoch nur wenn der Verbrauch innerhalb eines bestimmten Korridors liegt, z. B zwischen 15.000 und 20.000 kWh. Liegt man drunter oder drüber – was durch milde und starke Winter üblich ist – wird ein anderer Preis fällig, sehr viel teurer.
  • Vorauskasse: Sie gewähren Ihrem Discounter ein zinsloses Darlehen, indem Sie über einen längeren Zeitraum, zumeist 1 Jahr, Ihre Gas­kosten im Voraus bezahlen. Belohnt werden Sie dann mit günstigen Gas­preisen. Im Falle einer Insolvenz gehen Sie aber vermutlich leer aus.

Bei allen Modellen geht es letzt­endlich nicht mehr um eine erbrachte und fair entlohnte Leistung, sondern um Finanzierungs­modelle der unter­schiedlichsten Art. Aus diesen Angeboten entsteht dann eine Tarif-Landschaft, die selbst für versierte Interessenten schwer zu durchblicken ist.

Hinweis: Vor Vertrags­schluss sollten Kunden bedenken: Die Kosten sind für jeden Versorger ähnlich, überwiegend sogar identisch. Somit möchte auch jeder Versorger diese Kosten erwirt­schaften – ob auf kurz oder lang. Mit welcher Methode auch immer.

Wir gehen den transparenten Weg: Unsere Kosten werden durch einen einfachen Tarif – ohne Vorauskasse, Boni, kWh-Pakete oder Lock-Angebote – ver­ursacher­gerecht dem Kunden berechnet. Darüber hinaus möchten wir mit herausragendem Service und ehrlicher Beratung überzeugen. Das möchten wir mit einer kleinen Gewinn-Marge belohnt wissen. Klimakönner, Ihr fairer Biogas-Anbieter im baden-württembergischen EWärmeG.