Biogas in der Energieeinsparverordnung

Die bundesweit geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) legt fest, wieviel Wärme die einzelnen Bauteile eines Gebäudes (U-Werte) und das Gebäude insgesamt (Trans­missions­wärme­verluste) verlieren dürfen und wie viel Strom und andere Brenn­stoffe insgesamt ein­gesetzt werden dürfen (Primär­energie­bedarf). Hierzu gibt es ein Referenz­gebäude mit Brenn­wert-Kessel, Solar­anlage und einer zentralen Abluftanlage, welches den maximal erlaubten 100 %-Fall darstellt. Die Werte des Referenz­gebäudes werden auf reale Gebäude um­ge­rech­net. Für modernisierte Gebäude gelten etwas geringere Anforderungen (140 %) als für den Neubau (100 %). Bestands­gebäude sind nicht von der EnEV betroffen. Nur bei einem Besitzer­wechsel oder einer Neu­vermietung muss ein Energie­ausweis für das Gebäude erstellt werden, welcher den aktuellen energetischen Zustand des Gebäudes ausweist.

Bio­methan wird bei der Berechnung des Primär­energie­bedarfs mit dem Primär­energie­faktor (PEF) von Erdgas (1,1) bewertet – unabhängig ob das Biomethan in einem Heiz­kessel oder einer KWK-Anlage zum Einsatz kommt. Nur wenn das Biogas im räumlichen Zusammen­hang, also in einer Biogas­anlage nebenan, erzeugt wurde, wird das Biogas mit dem PEF 0,5 be­wer­tet. Da Biomethan in der Regel über das normale Erdgas­netz zum Kunden geliefert wird, hat es also keinen Einfluss auf die Berechnung des Primär­energie­bedarfs im Rahmen der EnEV.

Exkurs I: Primärenergie in Fern- und Nahwärmenetzen
Zur Berechnung des Primär­energie­bedarfs ist der Primär­energie­faktor (PEF) zentraler Bestand­teil. Die Berechnung des Primär­energie­bedarfs bei Fern- und Nahwärmenetzen erfolgt nach der DIN V 18599 oder der DIN V 4701-10/A1. Das AGFW Arbeits­blatt FW 309-1 dient hierbei als Aus­legungs­hilfe. Über den nach dem Arbeits­blatt FW 309-1 ermittelten PEF kann eine Bescheinigung durch einen Gut­achter ausgestellt werden.

Ist der Wärme­anteil aus der KWK-Anlage gegenüber dem Gesamtwärmebedarf größer als 70 %, kann der PEF für die Wärme aus der gesamten Anlage inkl. Spitzen­last­kessel pauschal mit 0,7 angesetzt werden. Beim Einsatz von Biomethan sollte dieser Wert jedoch nochmal erheblich unter­schritten werden, da der Brenn­stoff-PEF von Bio­methan beim Einsatz in einer KWK-Anlage mit 0 angesetzt werden kann.

Biogas im Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz

In Deutsch­land muss gemäß des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) ein Mindest­anteil an Erneuer­baren Energien bei der Wärme­versorgung eingesetzt werden. Dies gilt nur für neu errichtete Gebäude und grund­legend renovierte Gebäude der öffent­lichen Hand und ist parallel zur EnEV zu erfüllen.

Privater Neubau

Einsatz in einer KWK-Anlage

Damit Biogas im EEWärmeG anerkannt wird, muss bei privaten Neu­bauten Bio­methan in einer hoch­effizienten KWK-Anlage eingesetzt werden. Dabei muss die KWK-Anlage bei 100 %tigem Biogas mindestens 30 % des gesamten Wärmebedarfs decken. Da eine mit fossilem Erdgas befeuerte KWK-Anlage aber auch lediglich 50 % des gesamten Wärme­bedarfs zur Erfüllung des EEWärmeG decken muss, ist dadurch die Erfüllungsoption Biogas sehr unattraktiv. Diskrimierungsabbau von Biogas gefordert

Auch der Einsatz von einem Biogasmischprodukt (anstatt 100 % Biogas) – bestehend aus Erdgas und Biogas – ist in einer KWK-Anlage generell möglich. Der zur Erfüllung notwendige Biogas­anteil hängt vom produzierten Wärme­anteil der KWK-Anlage ab. Die Wirt­schaft­lichkeit ist individuell zu be­wer­ten. Einige Beispiele finden Sie auf den Seiten 10ff. der FAQ zum EEWärmeG vom Bundes­ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Für einen individuellen Biogasanteil können Sie uns gerne kontaktieren, ggf. können wie Ihnen passendes Biogas anbieten.

Einsparen von Energie als Ersatzmaßnahme

Die Pflicht zur Nutzung von Erneuerbaren Energien gemäß EEWärmeG kann auch ersatz­weise durch die Über­erfüllung der EnEV erreicht werden. Da jedoch der Primär­energie­bedarf durch den Einsatz von Biogas gemäß EnEV nicht gesenkt werden kann (siehe oben), ist der Einsatz von Bio­methan auch als Energiesparmaßnahme nach dem EEWärmeG nicht geeignet.

Öffentliche Gebäude

In renovierten öffent­lichen Gebäuden ist ein Einsatz von 25 %tigem Biomethan in einem Brenn­wert­kessel der neusten Generation (oder in einer KWK-Anlage) möglich, um das EEWärmeG zu erfüllen.

Exkurs II: Anteil Erneuerbarer Energien im Wärme- oder Kältenetz
Andere Voraus­setzungen gelten für den potentiellen Einsatz von Biogas zur Produktion und Verteilung von Wärme und Kälte über ein Netz. Hier ist der § 7.1 Nr. 3 in Ver­bindung mit der Anlage VIII. einschlägig.

Biogas im KfW-Programm

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Einsatz von Biogas, welcher über die Anforderung der EnEV und EEWärmeG hinausgeht. Entweder mit einem günstigen Darlehen und/oder einem Tilgungs­zuschuss bei einem Neukauf oder einer Sanierung eines Gebäudes.

Die Konditionen der Förderung sind abhängig von der Unter­schreitung der EnEV-Werte. Das zu fördernde Gebäude muss dafür sowohl besser gedämmt (Verringerung der Trans­missions­wärme­verluste), als auch eine effizientere Heizung bzw. ein klima­schonen­derer Rohstoff eingesetzt werden (Verringerung des Primärenergiebedarfs). Die Anforderungen an die Ver­ringerung des Primär­energie­bedarfes sind dabei immer höher als die Anforderungen an den Trans­missions­wärme­verlust. Bei einem Neubau erhält man eine Förderung, wenn der Primär­energie­bedarf max. 55 % des EnEV-Wertes beträgt (KfW-55). Bei der Sanierung von Gebäuden sind die Konditionen besser bei gleich­zeitig niedrigeren An­forderungen an den Primär­energie­bedarf. Das KfW-Programm 153 (günstiger Kredit mit Zuschuss) bzw. das KfW-Programm 430 (nur Zuschuss) sind die wichtigsten Programme bei einer Sanierung.

Bio­methan wird bei der KfW nur anerkannt, wenn eine KWK-Anlage mit 100 % EEG-kon­for­mem Biomethan betrieben wird. Der Nachweis erfolgt über die EEG-Ein­speise­ver­gütung oder durch einen Abschluss eines Bio­methan-Liefer­vertrages über mindestens 10 Jahre. Der Primär­energie­bedarf ist nach der DIN-18559 in Analogie zu einem „Nah-/Fernwärmenetz“ zu ermitteln und kann durch den Einsatz von Bio­methan deutlich gesenkt werden (siehe Exkurs I).